Der bisherige Büroleiter von FDP-Chef Guido Westerwelle hat Vorwürfe des Geheimnisverrats weit von sich gewiesen. "Ich habe Botschaftsvertretern zu keiner Zeit Dokumente vertraulichen Inhalts ausgehändigt oder angeboten" sagte Helmut Metzner, der inzwischen von seinem Posten versetzt wurde, dem Focus . Seine Auskünfte an die US-Botschaft hätten sich immer auf allgemein zugängliche Quellen wie Zeitungen und Argumentationspapiere, Gremienbeschlüsse, Pressemitteilungen oder Studien beschränkt.

Metzner beteuerte auch, dass Parteichef Guido Westerwelle nichts von seiner Tätigkeit gewusst hätte. "Herr Westerwelle war nicht im Bilde", sagte Metzner. Der Berliner FDP-Abgeordnete Lars Lindemann hatte zuvor die Vermutung geäußert, die Parteiführung sei sehr wohl über Metzners Aktivitäten informiert gewesen.

Metzner war diese Woche als Bürochef Westerwelles abgelöst worden. Er hatte zugegeben, dass er dem US-amerikanischen Botschafter in Berlin Informationen weitergegeben hatte. Die FDP hatte nach dem Maulwurf in den eigenen Reihen gesucht, nachdem das Enthüllungsportal Wikileaks US-Depeschen veröffentlicht hatte und dort von einem "aufstrebenden" Informanten aus der Partei die Rede war, der unter anderem freizügig über die Koalitionsverhandlungen 2009 plauderte.

Laut Spiegel hat Metzner außerdem bereits seit dem Jahr 2007 an die US-Botschaft berichtet. Eine von Wikileaks veröffentlichte Depesche von Juni 2007 berufe sich auf Metzner als Quelle. In dem Kabelbericht nach Washington schrieb die Berliner US-Botschaft demnach unter anderem, "Westerwelle positioniert sich als Außenminister der nächsten Bundesregierung". Als Quelle wurde Metzner, "Chef-Wahlkampfstratege" der FDP genannt.

Nun streitet die Partei über die Zukunft des ehemaligen Büroleiters. "Der FDP-Mitarbeiter, der sich angedient hat, muss fristlos entlassen werden", sagte Bundesvorstand Wolfgang Kubick. Der schleswig-holsteinische FDP-Fraktionschef übte zugleich scharfe Kritik an den USA. Es sei "ein Skandal", dass "Parteimitarbeiter von Botschaftsangehörigen ausgehorcht wurden". 

Generalsekretär Christian Lindner warb darum, der Affäre nicht zu viel Bedeutung beizumessen. "Ein Mitarbeiter, der ohnehin mit der Pflege internationaler Kontakte beauftragt worden war, hat offenbar über verdichtetes Zeitungswissen gesprochen", sagte er. 

Die Opposition lastet indes die Informanten-Affäre auch dem FDP-Chef an: "Einen solchen Fehltritt im höchstpersönlichen Umfeld muss sich Westerwelle selbst dann zurechnen lassen, wenn er nichts davon gewusst hat", erklärte der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Thomas Oppermann. Zudem vermische die FDP bei diesem Vorfall Partei- und Regierungsarbeit, weil Staatssekretär Martin Biesel in der Parteizentrale nach dem Informanten der US-Botschaft gesucht habe. "Guido Westerwelle scheint der Doppelaufgabe von Außenminister und Parteivorsitzender immer weniger gewachsen zu sein. Er sollte sich für eine Aufgabe entscheiden", sagte Oppermann.

Das Thema spielte auch bei Westerwelles Besuch in Bagdad eine Rolle. Westerwelle kündigte an, im Auswärtigen Amt würden die von Wikileaks veröffentlichten Dokumente jetzt ausgewertet. "Wir müssen wissen, ob sich daraus nicht auch für deutsche Staatsangehörige Gefährdungen ergeben", sagte er. Der irakische Außenminister Hoschiar Sibari kritisierte bei einem gemeinsamen Auftritt am Samstag die Veröffentlichung der Dokumente als "nicht hilfreich und schädigend vor allem für die US- Diplomatie". Bislang hätten die Enthüllungen aber "noch keine Auswirkungen auf uns".