Der Flugverkehr ist längst zu einem Massenspektakel geworden – angesichts der Terrorgefahr betrachten Sicherheitsexperten diese Entwicklung mit Sorge. Für die deutschen Flughäfen bedeutet dies mehr und aufwendige Sicherheitsmaßnahmen. Der designierte Präsident des deutschen Flughafenverbandes, Christoph Blume, schlug nun Alarm und forderte eine neue Form von Kontrollen : Wie in Israel müssten Fluggäste in unterschiedliche Risikogruppen unterteilt werden.

Politiker sowohl der Regierung als auch der Opposition lehnen diese Maßnahme jedoch ab. Das Bundesinnenministerium reagierte sehr zurückhaltend auf diesen Vorschlag. "Wir sind gut aufgestellt an den Flughäfen", sagte Sprecher Stefan Paris. Es werde nahezu ständig überprüft, wie die Kontrollen verbessert werden könnten. An den Flughäfen seien sehr gute Beamte eingesetzt. "Wir sind nicht blind."

"Ich kann mir nicht vorstellen, wie das ohne Ärger funktionieren soll", meinte auch der Vorsitzende des Innenausschusses im Bundestag, Wolfgang Bosbach. "Ich habe da meine Bedenken", so der CDU-Politiker zum Kölner Stadtanzeiger . Es bestehe die Gefahr der Diskriminierung. "Jeder Passagier wird fragen: Wie kommen Sie dazu, mich anders zu behandeln als andere Passagiere?" Der Innenpolitiker zweifelt überdies daran, dass eine solche Methode bei so vielen Passagieren wie in Deutschland praxistauglich ist. Allein in Frankfurt am Main gebe es 40 Millionen Fluggäste pro Jahr. "Das ist wie die Hausdurchsuchung, die vom Nachbarn beobachtet wird und bei der der Nachbar denkt: Ohne Grund werden die da schon keine Hausdurchsuchung machen", sagte Bosbach.

Auch sein Koalitionspartner will Diskriminierung bei Sicherheitskontrollen vermeiden. "Es darf nicht sein, dass bestimmte Reisende unter einen Generalverdacht gestellt werden, weil sie einen bestimmten Pass, eine bestimmte Religion oder ein bestimmtes Aussehen haben", sagte die stellvertretende Vorsitzende und innenpolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion Gisela Piltz. Sinnvoll sei vielmehr eine "intelligente Risikoeinschätzung" durch "gut ausgebildete und gut ausgestattete" Polizisten. 

Der FDP-Innenexperte Hartfrid Wolff bezweifelt, dass das Profiling von Israel auf Deutschland übertragbar ist. Israelische Flughäfen seien keine Drehscheiben für den internationalen Flugverkehr. "Bevor ein solcher Vorschlag ernsthaft in Erwägung gezogen würde, müssten zahlreiche Machbarkeitsstudien erfolgen", sagte er. Auch würde die Ausbildung des Personals Jahre dauern. Zudem sehe er rechtliche Probleme.

Die Sozialdemokraten bemängeln ebenfalls die diskriminierende Wirkung eines Profiling von Flugpassagieren. "Dieser Vorschlag ist völlig unausgegoren und wird sich in Deutschland nicht durchsetzen", sagte Dieter Wiefelspütz, der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion ZEIT ONLINE. In Zukunft würde eine "entwickelte Sicherheitstechnik" wie etwa Körperscanner ohnehin eine größere Rolle spielen. "Wenn diese Technik ausgereift ist, wird das die Zukunft sein", so Wiefelspütz.

Die Linke befürchtet, dass mit einem solchen Vorgehen "rassistischen und moslemfeindlichen Vorurteilen" Vorschub geleistet würde. "Eine unterschiedliche Kontrolle von Flugpassagieren nach Risikogruppen verstößt gegen das Diskriminierungsverbot des Grundgesetzes", sagte die innenpolitische Sprecherin der Fraktion im Bundestag, Ulla Jelpke.

Die Polizeigewerkschaft fordert gänzlich andere Lösungen. "Die Fluggastkontrollen müssen entprivatisiert werden", sagte deren Vorsitzender Bernhard Witthaut. "Es ist ein Widerspruch, das sogenannte Profiling und damit rein polizeiliche Fähigkeiten einzufordern und andererseits die Fluggastkontrollen oft gering bezahlten Kräften privater Firmen zu überlassen." Im Übrigen klingen solche Vorschläge zu sehr nach dem Wunsch der Zeitersparnis. "Aber lieber eine halbe Stunde in der Warteschlange als ein Leben lang tot."

Inzwischen hat sich auch der Flughafenverband von dem Vorschlag ihres neuen Präsidenten distanziert. "Das ist keine offizielle Forderung der ADV", sagte Friederike Langenbruch, Pressesprecherin der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen. "Das ist keine Position der deutschen Flughäfen."