Er war der Initiator des erfolgreichen Volksentscheids gegen die Schulpolitik in Hamburg. Nun stellt sich der Rechtsanwalt Walter Scheuerl in den Dienst der CDU und will auf die Gründung einer eigenen Partei verzichten. Scheuerl unterstütze den CDU-Bürgermeister Christoph Ahlhaus und die Hamburger Christdemokraten, teilte die Landes-CDU in der Hansestadt mit. Die am Volksentscheid gescheiterte Schulreform war ein Prestigeprojekt der inzwischen auseinandergebrochenen schwarz-grünen Koalition in Hamburg.

Ahlhaus und CDU-Landeschef Frank Schira kündigten an, den Parteigremien eine Kandidatur Scheuerls "auf einem prominenten Platz der Landesliste" vorzuschlagen. Beide Politiker zeigten sich erfreut, dass mit Scheuerl "eine hochkompetente und fachlich anerkannte Person" die CDU unterstütze. Davon gehe das Signal aus, dass die CDU "wieder bei sich selbst" sei. "Die Bürgerlichen müssen zusammenhalten – denn nur so ist eine linke Mehrheit in Hamburg zu vermeiden", erklärten die beiden CDU-Politiker.

In Hamburg wird voraussichtlich am 20. Februar gewählt. Der vorgezogene Urnengang ist nötig, weil die Hamburger Grünen (GAL) nach zweieinhalb Jahren ihre Koalition mit der CDU aufgekündigt und sich für eine Neuwahl ausgesprochen hatten. Scheuerl hatte im Juli mit der Bürgerinitiative "Wir wollen lernen" die umstrittene Schulreform gestoppt. Zuletzt war wiederholt spekuliert worden, der Anwalt werde eine eigene Partei oder Wählergemeinschaft gründen.

Der Hamburger SPD-Spitzenkandidat Olaf Scholz sagte, für ihn sei schon länger absehbar gewesen, "dass in Hamburg keine Stimmung für die Gründung einer neuen Partei existiert". Deshalb sei der Verzicht auf die Bildung einer neuen politischen Formation "nur folgerichtig". "Dass die CDU nun einen scharfen Kritiker ihrer Politik auf ihrer eigenen Bürgerschaftsliste kandidieren lässt, kann ihr auch nicht mehr helfen", fügte Hamburgs SPD-Chef hinzu. "Das Image einer rückgratlosen Partei wird die CDU nicht mehr loswerden."