Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger hat sich gegen die Einteilung von Flugpassagieren in Risikogruppen ausgesprochen. Die FDP-Ministerin warnte vor einer Stigmatisierung von Fluggästen, wenn man sie planmäßig nach ihrer Herkunft oder Religion einteile. Leutheusser-Schnarrenberger sieht im sogenannten Profiling einen Verstoß gegen das deutsche und europäische Gleichheitsgebot.

Auch Profilbildungen auf Grundlage riesiger Datensammlungen lehnt die Bundesjustizministerin ab. Sie sei grundsätzlich für mehr "Datensparsamkeit" in Deutschland, um Missbrauch zu verhindern, sagte Leutheusser-Schnarrenberger. "Gut ausgebildetes Flughafenpersonal kann mit gesundem Menschenverstand und breiter Erfahrung situationsangemessen entscheiden, wer wie kontrolliert wird", sagte sie.

Der designierte Präsident des Deutschen Flughafenverbandes (ADV), Christoph Blume, hatte mit seinem Vorstoß, über das Profiling bei Fluggast-Kontrollen nachzudenken, breiten Widerspruch geerntet . Beim Profiling werden die Passagiere nach Kriterien wie Alter, Geschlecht und ethnischer Herkunft unterteilt und unterschiedlich scharf kontrolliert. Auf diese Weise könnten nach Ansicht Blumes die Kontrollsysteme zum Wohle aller Beteiligten effektiver eingesetzt werden.

Sowohl die schwarz-gelbe Koalition als auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) reagierten ablehnend. Ein Sprecher des  Bundesinnenministeriums sagte: "Wir sind gut aufgestellt an den Flughäfen." Es werde nahezu ständig überprüft, wie die Kontrollen verbessert werden könnten. An den Flughäfen seien sehr gute Beamte eingesetzt.

Der frühere Sicherheitschef des größten deutschen Flughafens in Frankfurt, Volker Zintel, schließt die Machbarkeit von Kontrollen nach israelischem Vorbild für deutsche Flughäfen aus. Zintel verwies auf die großen Unterschiede bei den Passagierzahlen: "Der Flughafen Tel Aviv ist nun mal nicht mit London, Paris oder Frankfurt vergleichbar. Eine Übertragbarkeit des israelischen Modells auf europäische Flughäfen ist schlichtweg unmöglich." Interessant sei allerdings der Vorschlag der internationalen Luftfahrtorganisation IATA, die Vielflieger von vornherein als ungefährlich einzustufen.