Frage: Frau Künast, nach der jüngsten Umfrage sind Sie im direkten Vergleich mit Wowereit abgestürzt. Macht Ihnen das Angst?

Renate Künast: Es wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Wowereit und mir. Die Werte zeigen lediglich, dass sich die SPD mit Wowereit nach neun Jahren Tiefschlaf mal wieder bewegt. So einen Wahlkampf wie ich ihn für das Amt der Regierenden Bürgermeisterin führen werde, haben die Grünen noch nicht geführt. Es ist klar, dass der Amtsinhaber einen gewissen Vorteil hat. Aber bis zum Wahltag wird es um Inhalte und ungenutzte Potenziale in dieser Stadt gehen. Am Ende geht es nicht darum, wer schicker ist, sondern wer die Chancen dieser Stadt umzusetzen vermag.

Frage: Nach einigen Äußerungen haben Sie parteiinterne Kritik erhalten. Warum haben Sie sich nicht abgesprochen?

Künast: Für uns alle ist die Situation mit meiner Kandidatur für das Amt der Regierenden Bürgermeisterin neu. Dies bedarf auch neuer Strukturen. Wir sind aber alle miteinander gut verzahnt und nehmen Fahrt auf, selbst wenn das eine oder andere noch verbesserungswürdig ist.

Frage: Trotzdem haben Sie mit Ihren Überlegungen, über die Verbeamtung von Lehrern zu diskutieren oder die Tempo- 30-Zonen auszuweiten, für Verwirrung und Ärger gesorgt. Wie wollen Sie das künftig verhindern?

Künast: Das Bundesverkehrsministerium und auch Rot-Rot in Berlin unterstützen doch, Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit einzuführen, damit sich zum Beispiel Kinder sicherer in den Wohnstraßen bewegen können. Ich gebe zu, dass die von mir aufgeworfene Frage, ob Lehrer wieder verbeamtet werden sollten, um Abwanderung zu verhindern, provokant war. Aber sie hat dazu geführt, dass Gewerkschaften und andere mit mir darüber reden wollen, wie wir gut qualifizierte Lehrer in Berlin halten können – und zwar ohne Verbeamtung. Das war zwar aufwendig, hat aber funktioniert.

Frage: Warum wollen Sie keine Drehkreuzfunktion für den neuen Großflughafen BBI mehr, sondern nur noch eine regionale Anbindung?

Künast: Ich stelle die interkontinentale Anbindung des BBI nicht infrage. Aber ich will wissen, wie der Großflughafen konzipiert ist. Es müssen alle Fakten auf den Tisch. Das ist der Ausgangspunkt, um über Lärmschutz und Nachtflugverbot zu reden. Der Flughafenplanung mangelt es an Transparenz. Ich möchte nicht, dass man sich über die Bedingungen und Auswirkungen einigt und dann erst die Bürger einbezieht. Ich stelle in Bezug auf den BBI ein klares Informationsdefizit fest.