Für die Betreuung von Langzeitarbeitslosen hat die Bundesagentur für Arbeit (BA) ab kommendem Jahr 1,3 Milliarden Euro und damit ein Fünftel der Gesamtmittel weniger in ihrer Kasse. Die Kürzung geht auf das drastische Sparpaket der schwarz-gelben Bundesregierung zurück, das manche daher auch als unsozial bezeichnen. BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt muss also überlegen, wie er mit den knapperen Mitteln umgehen kann.

Er möchte künftig die Zahl der Ein-Euro-Jobber unter den Arbeitslosen verringern, wie er in einem Interview der Welt sagte. Schon länger gibt es schließlich Hinweise, dass diese subventionierte Beschäftigungsmaßnahme für Langzeitarbeitslose nicht effektiv ist und ihnen zumeist nicht hilft, wieder einen Job zu finden.

Daher will der BA-Vorstand künftig das wenige Geld lieber in die Vermittlung von Arbeitslosen auf den ersten Arbeitsmarkt stecken. Schließlich zieht die Konjunktur an, die Chancen auf neue Arbeitsplätze stehen auch wegen des zunehmenden Fachkräftemangels nicht schlecht.

Doch gibt es in Deutschland auch rund 200.000 bis 300.000 Menschen, die wegen ihrer geringen Qualifizierung, gesundheitlichen oder psychischen Probleme oder aus familiären Gründen keine Chance auf dem regulären Arbeitsmarkt haben. Für sie soll es laut Alt einen zweiten sozialen, also aus öffentlichen Mitteln geförderten Arbeitsmarkt geben.

Der BA-Vorstand verweist auf Behindertenwerkstätten. Diese zeigten, dass es möglich sei, Menschen mit schweren Handicaps in die Arbeitswelt zu integrieren. Langzeitarbeitslose könnten nach ähnlichen Kriterien hausmeisterliche Hilfstätigkeiten erledigen, in der Pflege oder an Schulen aushelfen. Wie genau dieser Arbeitsmarkt angesichts der knappen Kassen finanziert werden soll, bleibt allerdings offen.

Die Forderung nach einem sozialen Arbeitsmarkt ist übrigens nicht neu. Auch die heutige NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) hatte sich im Landtagswahlkampf im Frühjahr für ein ähnliches Vorgehen ausgesprochen. Die Sozialdemokraten fühlen sich daher in ihrer Linie bestätigt. SPD-Arbeitsmarktexperte Hubertus Heil verweist gegenüber ZEIT ONLINE darauf, dass die CDU damals noch "einen Aufschrei der Empörung" abgegeben habe. Er hoffe, dass "unsere Idee" nun immer mehr Unterstützung bekomme. Doch auch die Grünen liebäugeln mit dem Prinzip eines sozialen Arbeitsmarktes und haben entsprechende Konzepte erarbeitet, ebenso begrüßt der Deutsche Gewerkschaftsbund die Idee.

Arbeitsmarkt-Kenner verweisen darauf, dass es in Deutschland bereits sehr wohl Elemente eines sozialen Arbeitsmarktes gibt. Auch wenn die Definition des Begriffes schwammig ist: Zumeist werden darunter Beschäftigungsverhältnisse verstanden, die nicht in Konkurrenz mit normalen Arbeitsplätzen stehen und die ohne öffentliche Förderung nicht existieren würden.