Am Tag eins nach dem Schlichterspruch plant S-21-Gegner Matthias von Herrmann die nächsten Protestaktionen. Er habe Hinweise dafür, dass die Bahn von Freitagfrüh an wieder Bäume am Nordflügel des Bahnhofes fällen werde, sagt der Sprecher der Parkschützer ZEIT ONLINE. Dass Bahnvorstand Volker Kefer dies öffentlich dementiert, beeindruckt ihn nicht. "Wir werden natürlich vor Ort sein und alles tun, damit wir die Bäume schützen", sagt er. Das Misstrauen ist nach wie vor ungebrochen.

Die Gegner des Bahnhofsprojekts sind enttäuscht von dem Schlichterspruch, sie akzeptieren ihn nicht. "Ich glaube, dass wir das Projekt trotz allem aufhalten können ", sagt Gangolf Stocker, Sprecher des Aktionsbündnisses gegen Stuttgart 21. "Wir müssen jetzt aber auch zusehen, dass die Proteste nicht abnehmen", mahnt er im gleichen Atemzug.

Neue Großdemonstrationen sind daher bereits geplant. Die Parkschützer mobilisieren für den kommenden Samstag in Stuttgart. " Wir wollen langsam wieder warm werden, zurückkehren zum Widerstand", beschreibt es von Herrmann. Angst vor dem derzeit eisigen Winterwetter und der Tatsache, dass die fünfwöchige Schlichtung bei den Demonstranten die Motivation einschlafen lassen könnte, hat er angeblich nicht. "Im Gegenteil, es werden mehr Menschen kommen", prophezeit er: "Die Verärgerung über den Schlichterspruch ist sehr groß."

Die Dachorganisation der Gegner, das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21, will am 11. Dezember, also genau eine Woche später, zu einer Demonstration aufrufen: "Das bekommen wir einfach besser organisiert", sagt Stocker. Es klingt so, als sei er ein wenig in Sorge, dass nicht genügend Menschen kommen. Zugeben will er dies nicht.

Nicht ausschließen will Stocker, dass es bei den Protesten Zwischenfälle geben könnte: "Sitzblockaden beispielsweise können wir nicht verhindern. Obwohl das sehr ärgerlich ist. Wir sind eine bürgerliche Protestbewegung und das schadet unserem Ansehen." Auch habe sich viel Wut aufgestaut. Einige hätten seiner Organisation, die im Gegensatz zu den Parkschützern an der Schlichtung teilnahm,  auch Vorwürfe gemacht. "Es hieß, wir hätten uns über den Tisch ziehen lassen", sagt Stocker.

Wird die Protestwelle auslaufen, oder nun erst recht über die Stadt im Kessel hinwegschwappen? So ganz wissen die Gegner offenbar im Moment selbst nicht, was sie erwartet.

Zur gleichen Zeit verkündet Bahnvorstand Volker Kefer auf einer Pressekonferenz, dass der zentrale Punkt des Schlichtungsspruchs auf den kommenden Sommer verschoben wird . Erst dann könne man mit den Ergebnissen des Stresstests rechnen – also Monate nach der für die S-21-Befürworter der CDU so wichtigen Landtagswahl in Baden-Württemberg. Bei der Computersimulation soll die Leistungsfähigkeit des ungebauten Bahnhofes im Vergleich zum bereits bestehenden getestet werden. Dieser Test sei eben sehr aufwändig, lautet die Begründung.