Auch der bewusste Schulterschluss des niedersächsischen Landesvorsitzenden Philipp Rösler mit dem FDP-Bundeschef Guido Westerwelle hält Parteivertreter nicht von weiteren Rücktrittsforderungen ab. Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander sagte der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung , Westerwelle habe Fehler gemacht und müsse einsehen, dass die Ämtertrennung der richtige Weg sei. Er solle sich "demütig vom Parteivorsitz zurückziehen".

Der Vizepräsident des niedersächsischen Landtags, Hans-Werner Schwarz, sagte, er halte bei Westerwelle die Konzentration auf ein Amt für einen sinnvollen Weg. Da er als Außenminister gut arbeite, solle er diesen Posten behalten. Es sei aber zugleich sinnvoll, dass beim Parteitag im Mai ein anderer den FDP-Bundesvorsitz übernehme.

In einer Umfrage des Forsa-Institutes für stern und RTL kommt die FDP auf drei Prozent der Wählerstimmen, der schlechteste Wert seit 1996. Im Falle einer Bundestagswahl wäre sie gar nicht mehr im Parlament vertreten. Nachdem bereits in den letzten Tagen und Wochen viel Kritik an Westerwelle laut geworden war, hatte Rösler ihn am Wochenende unterstützt. Auch der Vorsitzende in Rheinland-Pfalz, Rainer Brüderle, bekundete seine Unterstützung für Westerwelle.

Der Kritisierte hatte in den vergangenen Tagen mit Vertretern der Basis und Parteifunktionären gesprochen und sich deren Rückhalt gesichert. Dennoch gingen weiter Landesverbände auf Abstand. Die FDP-Landesverbände in Hamburg, Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg werden in den anstehenden Landtagswahlkämpfen im März 2011 keine Fotos von Westerwelle plakatieren.

Auf die in früheren Wahlkämpfen präsentierten Doppel-Plakate mit den Landes-Spitzenkandidaten und dem FDP-Bundesvorsitzenden werde verzichtet, berichtet die Rheinische Post unter Berufung auf die Landesgeschäftsstellen der Partei.

Bundeswirtschaftsminister Brüderle dagegen soll auf Plakaten Platz mit dem rheinland-pfälzischen Spitzenkandidat Herbert Mertin Platz finden. Brüderle gilt als Übergangs-Parteichef auf Bundesebene, sollte Westerwelle auf seinen Posten verzichten oder aus dem Amt gedrängt werden. Spitzenkandidat Mertin hatte Westerwelle vor Tagen als "Klotz am Bein" im Wahlkampf bezeichnet und ihn damit praktisch ausgeladen.

Der hessische Vize-Ministerpräsident Jörg-Uwe Hahn soll Westerwelle am Wochenende bei einem Treffen in Berlin persönlich nahe gelegt haben, auf dem jährlichen Dreikönigstreffen am 6. Januar seinen Abschied von der Parteispitze anzukündigen.

Aus der Parteispitze hieß es, es bestehe die Gefahr, dass die Diskussion vor dem nahenden Dreikönigstreffen der FDP am 6. Januar in Stuttgart eskaliere. Denn in Baden-Württemberg droht zur Landtagswahl Ende März der Verlust der Regierungsmacht, in Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz oder Berlin will sich die FDP in den Parlamenten behaupten. Auch in Hamburg wird gewählt.

Zur Bundestagswahl 2009 hatte Westerwelle seiner Partei ein Rekordergebnis von 14,6 Prozent beschert. Noch vor Wochen erreichte die FDP nicht einmal die Fünfprozenthürde. Viele Mitglieder machen ihn und das Auftreten der FDP in der schwarz-gelben Koalition für den Absturz verantwortlich.

Am Montag hatte FDP-Generalsekretär Christian Lindner ein rasches Ende der Personaldebatte gefordert. Die gesamte Partei-Spitze stehe hinter Westerwelle und wolle ihm die Möglichkeit geben, die Partei in ruhiges Fahrwasser zu bringen, sagte er. Die Arbeit an Themen müsse wieder in den Vordergrund gelangen. Auch Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger hatte ihre Parteikollegen aufgefordert, die Kritik an Westerwelle zu lassen. Westerwelle selbst hatte dazu am Wochenende gesagt, er verlasse das Deck nicht, wenn es stürme.