Anders als seine Vorgänger hat Bundespräsident Christian Wulff seine erste Weihnachtsansprache nicht an seinem Schreibtisch aufgezeichnet, sondern er lud 200 ehrenamtlich engagierte Bürger, Helfer und Angehörige von Polizei und Bundeswehr sowie Kinder ins Schloss Bellevue ein. "Sie haben sich in diesem Jahr für andere, mit anderen gemeinsam eingesetzt", sagte er. Die Ansprache wird am ersten Weihnachtsfeiertag  im Fernsehen ausgestrahlt. Wulff rief die Bürger zu mehr sozialem Engagement auf.

"Unsere Gesellschaft lebt von denen, die sehen, wo sie gebraucht werden, die nicht dreimal überlegen, ob sie sich einsetzen und Verantwortung übernehmen", sagte er. Der Staat könne Menschen in Not im Rahmen seiner Möglichkeiten zwar finanziell unterstützen: "Aber jemandem Mut zusprechen, jemandem auf die Schulter klopfen, jemandem die Hand reichen. Dafür braucht es Menschen, für die Menschlichkeit wichtig ist." Nötig seien Menschen, die Kranke besuchten, sich im Verein oder in Bürgerinitiativen engagierten und die einander ebenso Respekt zollten wie Fremden. "Zu Weihnachten wünsche ich uns allen eine tragende Gemeinschaft – eine Familie und Freunde, die uns Heimat und Zuhause bedeuten", sagte der Präsident. 

Wie schon bei seiner Rede zum Tag der deutschen Einheit, als er den Islam als Bestandteil Deutschlands bezeichnete und damit eine heftige Debatte auslöste, bekannte sich der Bundespräsident auch diesmal zur kulturellen Vielfalt des Landes. "Unsere Gesellschaft ist frei und bunt", sagte Wulff. "Damit eine Gesellschaft aus so vielfältigen Menschen Bestand hat, brauchen wir vor allen Dingen: Respekt. Respekt vor dem, der anders ist als man selbst. Und Anerkennung auch seiner Leistungen." Jeder müsse spüren, dass er dazugehöre.

Wulff forderte außerdem den Zusammenhalt Europas. Ohne die Schuldenkrise in mehreren EU-Ländern direkt zu erwähnen, verlangte er verantwortliches Handeln der Partner: "Wir zeigen Solidarität und sind bereit, auch künftig Verantwortung zu übernehmen – auch in Europa." Das gleiche erwarte Deutschland von seinen Partnern. "Alle müssen ihre Hausaufgaben machen. Wir haben Vertrauen in die europäische Einigung und in die Kraft Europas."