Fackelschein taucht den Gedenkstein in schummeriges Licht. Vor dem Stein im Feldlager bei Masar-i-Scharif stehen rund 100 Soldaten der Gebirgs- und Fallschirmjäger. Um sie herum ist Dunkelheit, nur wenige Lichter leuchten vom Flugplatz und vom Camp Marmal herüber. Der Gedenkstein erinnert an die gefallenen Soldaten der Internationalen Schutztruppe für Afghanistan (Isaf). "Zum Gedenken an unsere toten Kameraden", steht darauf.

Das war Anfang vergangener Woche. Die Soldaten sind zusammengekommen, um zu trauern. Das Ausbildungs- und Schutzbataillon Masar-i-Scharif hat am 17. Dezember den Hauptgefreiten Oliver O. verloren. Einige Soldaten schluchzen leise. Sie sind es gewohnt, gegen Taliban und andere Aufständische zu kämpfen. Der Tod fährt immer mit, sagen Soldaten über ihre Patrouillen in Afghanistan.

Diesen Todesfall aber empfinden viele Soldaten als besonders tragisch, denn Oliver O. starb durch den Fehler eines Kameraden. Weil sich ein Schuss aus einer Waffe gelöst hatte, die eigentlich nicht hätte geladen sein dürfen. Noch laufen die Ermittlungen, wie es zu dem tödlichen Schuss kommen konnte. Im Feldlager in Masar-i-Scharif heißt es nur, es sei ein Unfall gewesen, mehr wisse man noch nicht.

Der tödliche Unfall hatte sich in einem der Außenposten, dem sogenannten OP-North (Operationsplatz Nord), ereignet. Dort harren die Soldaten des Schutz- und Ausbildungsbataillons teilweise zwölf Wochen am Stück aus. Sie leben unter dunkelgrünen Zeltplanen, die sie zwischen ihre Fahrzeuge oder Hesco-Container, mit Sand und Kies gefüllte Stahlkäfige, spannen. Küchen und Duschen bauen sie selbst. In den vergangenen Monaten waren die Infanteristen häufig in Gefechte verwickelt, die manchmal tagelang dauerten. Die Waffen müssen stets griffbereit, im Zelt aber auch immer gesichert sein.

Im Camp Marmal rätseln viele Soldaten, wie es zu der Schussabgabe kommen konnte. Ein Offizier zeigt Journalisten, wie die Sicherung der Dienstpistole funktioniert – vorher hatte er überprüft, ob wirklich keine Patrone im Lauf war. Den Lauf der Waffe zeigt immer nach unten. "Wenn sich alle an die Regeln halten, dann kann nichts passieren", sagt er. Entladen wird die Waffe nach jedem Einsatz in mit Sand gefüllten Tonnen. In der Grundausbildung lernt jeder Soldat, sie nie auf Kameraden zu richten.

In Deutschland berichten Medien, dass sich die Kugel bei Waffenspielen gelöst habe. Und dass Karl-Theodor zu Guttenberg entweder sein Ministerium nicht im Griff habe oder seiner Informationspflicht nicht nachgekommen sei. Die Abgeordneten des Verteidigungsausschusses erfuhren viele Details erst aus der Presse . Den Vorwurf, Guttenberg habe vertuschen wollen, dass es ein Kamerad war, der Oliver O. erschoss, musste die Opposition allerdings zurücknehmen. Das hatte der Verteidigungsminister bereits Ende Dezember gesagt.