Auf den ersten Blick haben sie wenig miteinander zu tun: Eine angebliche Meuterei nach dem tödlichen Unfall einer Offiziersanwärterin auf dem Segelschulschiff Gorch Fock, Vertuschungsvorwürfe nach dem Tod eines Soldaten in Afghanistan, schließlich das Rätsel um geöffnete Feldpost-Briefe.

Noch bevor die Vorfälle restlos aufgeklärt sind, haben Teile der FDP Führungsversagen als Ursache ausgemacht. Während der Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus (FDP) noch eher gelassen reagiert – "Wenn etwas schief geht, kommt noch etwas anderes dazu" – und auch keinen Grund sieht, die Ausbildung auf der Gorch Fock grundsätzlich in Zweifel zu ziehen, wird FDP-Verteidigungsexpertin Elke Hoff deutlicher.

Die Reaktion der Bundeswehr auf die Vorfälle sei "erheblich verbesserungsbedürftig". Im Umgang mit dem eigenen Nachwuchs müsse "die Innere Führung offenkundig einiges nacharbeiten". Hoff sprach offen von "Führungsversagen". Die Kommunikation sei mangelhaft und der Umgang miteinander von Misstrauen geprägt. Offensichtlich seien nicht alle Vorgesetzten in der Lage, Menschen zu führen. "Da haben wir momentan ein Problem", sagte Hoff. Aus "Angst um die eigene Karriere" trauten sich offenbar Soldaten nicht, Missstände öffentlich zu machen.

Hoffs Kritik schließt auch Karl-Theodor zu Guttenberg ein. Wenn jemand Führungsverantwortung innehabe, trage er auch ohne Wenn und Aber die Verantwortung für die Menschen. "Ich erwarte vom zuständigen Minister, dass er das auch in die Truppe hinein deutlich kommuniziert. Innere Führung und Ausbildung müssen immer wieder darauf überprüft werden, ob sie in den einzelnen Teilstreitkräften den richtigen Umgang mit Untergebenen in schwierigen Phasen gewährleisten können", sagte Hoff.

Auch der Grünen-Verteidigungsexperte Omid Nouripour stimmte in diese Kritik mit ein und warf dem Ressortchef vor, die ihm unterstehenden Offiziere und Soldaten nicht im Griff zu haben. Besonders auffällig sei die mangelnde Aufklärung des Ressorts insbesondere im Fall des getöteten Soldaten gewesen. "Wir haben einen Monat lang falsche Informationen bekommen vom Ministerium", sagte Nouripour. "Das ist fatal, das bedeutet, dass die Führung des Hauses eigentlich den eigenen Laden nicht im Griff hat."

Wie bereits nach Bekanntwerden der Vorfälle um die geöffnete Feldpost kündigte Guttenberg nun erneut eine rasche und umfassende Aufklärung an. Seinerseits werde es aber keine Vorverurteilung geben. "Sollten die Vorwürfe allerdings zutreffen, wird das selbstverständlich Konsequenzen nach sich ziehen", betonte der Minister in Bezug auf die Vorgänge auf der Gorch Fock.

Zu allen drei Vorfällen laufen inzwischen die Untersuchungen der Bundeswehr oder bereits der Staatsanwaltschaft. Im Fall des getöteten 21-jährigen Hauptgefreiten im Dezember in Afghanistan hieß es in Sicherheitskreisen, er sei vermutlich versehentlich von einem Kameraden erschossen worden. Den Ermittlungen zufolge habe sich offenbar ein Schuss gelöst, als der Kamerad seine Pistole geladen habe. Möglicherweise sei dies aber auch bei "Spielereien mit der Waffe" passiert.

Guttenberg sagte dazu, die Beteiligung des zweiten Soldaten sei bereits am Tag danach bekannt gewesen. "Das haben wir dann auch öffentlich bekannt gemacht." Nun will die Staatsanwaltschaft Gera Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung prüfen. Zu Verzögerungen kam es nach Angaben aus Sicherheitskreisen, weil die Staatsanwaltschaften sich nicht über die Zuständigkeit in dem Fall einig waren. Daher seien die Akten seit Mitte Dezember zwischen mehreren Behörden in ganz Deutschland hin- und hergeschickt worden.

Die Gorch Fock wiederum musste inzwischen in Richtung der argentinischen Hafenstadt Ushuaia umkehren, wo ein Untersuchungsteam der Marine an Bord gehen soll. Die Ermittler sollen Vorwürfe prüfen, wonach junge Soldaten trotz des tödlichen Sturzes einer Kadettin gezwungen wurden, in die bis zu 40 Meter hohe Takelage zu klettern. Zwar gehört das sogenannte Aufentern nach Bundeswehr-Angaben prinzipiell zur Ausbildung der Offiziersanwärter. Es werde jedoch davon abgesehen, wenn ein Soldat beispielsweise Höhenangst hat, hieß es.

Im Verteidigungsministerium sind derweil Beamte mit Untersuchungen in der Affäre um geöffnete Feldpost von Soldaten aus Afghanistan beschäftigt. Sollte sich der Verdacht einer Straftat ergeben, würden die Ermittlungen natürlich an eine Staatsanwaltschaft abgegeben, sagte ein Sprecher.