Ein breites Bündnis von Bauern, Umweltschützern und Verbrauchern hat in Berlin für eine grundlegende Reform der Agarpolitik demonstriert. Mit mehr als 50 Traktoren zogen die Demonstranten durch die Stadt zu einer Abschlusskundgebung vor dem Brandenburger Tor. Die Veranstalter sprachen von 22.000 Teilnehmern, die Polizei nur von einigen tausend Demonstranten. Der Protest richtete sich gegen die gegen industrielle Landwirtschaft, Gentechnik und Massentierhaltung.

Ein Meer von grünen Luftballons und Transparenten schwebte über dem Zug. Zu lesen waren dort Slogans wie "Genfood ist beschissen, das soll jeder wissen" oder "Blütenvielfalt statt Agrarwüsten".

Auf der Abschlusskundgebung am Brandenburger Tor wurde als Konsequenz aus dem Dioxin- und anderen Lebensmittelskandalen gefordert, Bundesregierung und EU sollten statt Agrarfabriken die bäuerliche Landwirtschaft fördern. Die Spitzenkandidatin der Berliner Grünen, Renate Künast, forderte ein klares Nein zur Massentierhaltung. Die frühere Agrarministerin appellierte an die Bundesregierung: "Stecken Sie das Geld lieber in Öko, Regional und Bildung!"

Der Vorsitzende des Umweltorganisation BUND, Hubert Weiger, warb für eine Agrarwende, "nicht in Deutschland, sondern in der gesamten Europäischen Union". Der aktuelle Dioxin-Skandal mache den "Reformstau in der Landwirtschaftspolitik schlagartig deutlich", sagte er. Ohne eine grundlegende Agrarreform in Europa werde die Bundesregierung "schon beim nächsten Lebensmittelskandal wieder ins Schlingern" geraten. Gleichzeitig drohte Weiger: "Wir kommen wieder nach Berlin, mit doppelt so vielen Leuten, wenn die Politik nicht endlich handelt."

Die Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), Maria Heubuch, sagte: "Massentierhaltung und Gentechnik sind eine gefährliche Sackgasse für die Bauern und ein erhöhtes Risiko für die Verbraucher." Für die Veranstalter sagte Campact-Geschäftsführer Felix Kolb: "Die Bevölkerung will ein Ende der industriehörigen Landwirtschafts- und Lebensmittelpolitik." Strengere Lebensmittelkontrollen alleine reichten nicht aus. Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) müsse eine echte EU-Agrarreform und den Ausstieg aus der Massentierhaltung voranbringen.

Zu der Protestaktion unter dem Motto "Wir haben es satt – Nein zu Gentechnik, Tierfabriken und Dumpingexporten" hatte ein Bündnis aus rund 120 Organisationen aufgerufen. Aus dem ganzen Bundesgebiet reisten die Teilnehmer an. Bauern und Imker in Arbeitskleidung, thematisch dekorierte Wagen und Musikorchester nahmen an dem Demonstrationszug teil. Am Berliner Messegelände, wo derzeit die "Grüne Woche" stattfindet, übergaben Teilnehmer der Proteste eine Resolution an Vertreter des Bundeslandwirtschaftsministeriums.

Anlass der Demonstration war die von der Bundesregierung ausgerichtete Agrarkonferenz, die auf der Grünen Woche begann. Beim dritten internationalen Agrarministertreffen im Rahmen der Verbrauchermesse ging es im Kern um die Frage, wie weltweit genug Nahrungsmittel zu bezahlbaren Preisen verfügbar sein können. Aigner hatte angekündigt, sich für eine Eindämmung der Spekulation auf den Preis von Lebensmitteln einsetzen zu wollen.