Die FDP-Spitze will die Debatte um Parteichef Guido Westerwelle so schnell wie möglich beenden. So stellte sich bereits Fraktionschefin Birgit Homburger demonstrativ hinter den Außenminister, der von vielen an der Parteibasis für den Ansehensverlust der Liberalen verantwortlich gemacht wird. Nun haben drei weitere FDP-Spitzenpolitiker einen gemeinsamen Appell veröffentlicht.

In einem Beitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) – überschrieben mit "Jetzt erst recht" – fordern Generalsekretär Christian Lindner, der niedersächsische Landesvorsitzende und Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler sowie der Landesvorsitzende von Nordrhein-Westfalen, Daniel Bahr, die Schärfung des Parteiprofils. Dabei kritisierten sie in dem "Neujahrsappell" die innerparteilichen Personaldebatten. Diese würden den erforderlichen "Erneuerungsprozess" gefährden.

Zugleich zeigten sie sich selbstkritisch und bemängelten den Kurs der Parteispitze: "Die erfolgreiche Oppositionsarbeit zur Großen Koalition hatte allerdings dazu geführt, dass das Bemühen um thematische Verbreiterung und um die sympathische Vermittlung unser konzeptionellen Vorschläge weniger dringlich schien." Die drei gestanden ein, dass "im Regierungshandeln" nach Bildung der schwarz-gelben Koalition – "hinlänglich diskutierte" – Fehler gemacht worden seien. Deshalb forderten sie: "Die entscheidenden Impulse für neues Vertrauen müssen deshalb auch aus der Regierungsarbeit kommen."

Auch die Unions-Parteien haben nach Überzeugung der Spitzen-Liberalen einen Anteil an der Misere ihrer Partei. Diese hätten die FDP in "kräftezehrende" Debatten geführt, "an deren Ende nicht durchgreifende Reformen, sondern nur Kompromisse stehen". Bahr, Lindner und Rösler fügten die Forderung an, die FDP solle "unsere Partner stärker als bisher durch eigene Vorschläge programmatisch herausfordern, um im gemeinsamen Interesse zu ehrgeizigeren Vorhaben zu kommen".

Guido Westerwelle wird in dem Text nach Angaben der FAZ nur mit dem Hinweis erwähnt, unter seiner "Federführung" seien in der FDP-Krise der neunziger Jahre die Wiesbadener Grundsätze formuliert worden, durch die die Partei damals "neues Vertrauen" gewonnen habe. Wie die Nachrichtenagentur dpa erfuhr, wurde der FDP-Chef von den Autoren über Inhalte des Appells in Kenntnis gesetzt, der Text wurde jedoch nicht mit ihm abgestimmt.