Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen droht den Unternehmen mit einer gesetzlichen Frauenquote: Angesichts der "nur mit der Lupe erkennbaren Fortschritte der vergangenen zehn Jahre schließe ich eine gesetzliche Regelung über einen Mindestanteil von Frauen in Führungspositionen von Unternehmen nicht mehr aus", sagte die CDU-Ministerin dem Manager Magazin. Die einzige Alternative zur gesetzlichen Quote sei eine zügige, verbindliche und öffentlich nachvollziehbare Selbstverpflichtung der Wirtschaft.

Von der Leyen machte gleichzeitig deutlich, dass sie klare Vorstellungen von der Quote hat. "Unter 25 bis 30 Prozent Frauenanteil in Führungspositionen" würde sie gar nicht erst anfangen zu verhandeln. Weiter betonte sie, dass es ihr auch auf den Zeitraum ankomme, in dem ihre Forderungen umgesetzt werden. "Ich sage mal, es sollten weniger Jahre sein als meine Hand Finger hat."

Heftige Kritik kam von den Grünen. "Jahrelang hat von der Leyen das Thema Frauenquote bewusst nicht behandelt. Jetzt haben uns auch noch unsere französischen Nachbarn überholt", erklärte die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Renate Künast, in einer Mitteilung. Deutschland laufe international hinterher und von der Leyen träume noch immer von einer Selbstverpflichtung der Wirtschaft, kritisierte Künast. Wenn von der Leyen es wirklich ernst meine, könnte sie einfach dem grünen Gesetzentwurf Frauen in die Aufsichtsräte! zustimmen.

Nur wenige deutsche Konzerne befürworten bislang eine Quote. Der Frauenanteil in den Vorständen der 200 größten Unternehmen liegt laut einer aktuellen Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung bei 3,2 Prozent. Im internationalen Vergleich unter elf ausgesuchten Ländern liege Deutschland damit gemeinsam mit Indien auf dem letzten Platz.

In Norwegen gibt es seit dem Jahr 2008 eine Frauenquote. Börsennotierte norwegische Aktiengesellschaften müssen 40 Prozent ihrer Aufsichtsratsposten mit Frauen besetzen. Unternehmen, die dieser Anforderung nicht nachkommen, können im Extremfall aufgelöst werden.