"Dieses Jahr wird ein hochintensives bleiben", sagte Guttenberg (CSU) der Welt am Sonntag. Die aufständischen Taliban spürten den zunehmenden militärischen Druck der Bundeswehrtruppen, ihre Reaktionen würden immer verzweifelter und damit gewalttätiger. "Die Verantwortlichen vor Ort schätzen die Lage im Moment so ein, dass wir uns einer Art Kulminationspunkt nähern", sagte der Minister.

Der Bundestag will am 28. Januar über das neue Mandat entscheiden, mit dem der Afghanistan-Einsatz um zwölf Monate verlängert werden soll. Auf einen konkreten Abzugstermin hat sich die Bundesregierung nicht festgelegt. Angestrebt wird, dass der Rückzug Ende 2011 beginnt, wenn die Lage es erlaubt. Die Formulierung geht auf einen Kompromiss zwischen Außenminister Guido Westerwelle (FDP) und Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) zurück. Westerwelle wollte einen genauen Termin festlegen, Guttenberg bestand auf Einschränkungen.

SPD und Grünen beharren dagegen auf einem konkreten Abzugsplan. "Wenn sich die Regierung darüber einig wird, dass das Jahr 2011 für den Beginn des Abzugs der Bundeswehr festgelegt wird, ist die Verständigung mit der SPD über eine Verlängerung des Mandats möglich", sagte Frank-Walter Steinmeier. Zurzeit wird in der SPD-Fraktion mit zahlreichen Gegenstimmen und Enthaltungen gerechnet.

Die Grünen fordern einen präzisen Stufenplan für den Abzug, der 2011 beginnen und 2014 enden soll. Parteichef Cem Özdemir forderte die Bundesregierung auf, ihre Pläne klar auf den Tisch zu legen. Andernfalls werde eine Mehrheit der Grünen-Abgeordneten der Mandatsverlängerung nicht zustimmen, kündigte er im Gespräch mit dem Nachrichtenportal news.de an.

Guttenberg bekräftigte: "Der Beginn der Reduzierung muss verantwortbar und vertretbar sein. Derzeit jedenfalls wären wir noch nicht so weit." Er sei optimistisch, dass das Kabinett eine gemeinsame Position finden werde. Westerwelle sagte hingegen: "Wenn wir uns keinen Zeitplan geben, dann ist die Gefahr zu groß, dass es in Afghanistan so weitergeht wie bisher."

Nach Informationen des Spiegels baut das geheim agierende Kommando Spezialkräfte (KSK) der Bundeswehr in Nordafghanistan eine neue Eliteeinheit der nationalen Polizei auf. Kommandosoldaten schulen dem Bericht zufolge Rekruten der Provincial Response Company, die vor allem gegen Taliban-Führer eingesetzt werden solle. Eine erste Einheit der seit Mai trainierten Afghanen nehme bereits an internationalen Operationen gegen die Taliban im Raum Kundus teil.

Unterdessen ist nach einem Bericht der Bild-Zeitung eine der drei in Afghanistan eingesetzten unbemannten Aufklärungsflieger (Drohnen) abgestürzt. Das von Israel gemietete und mehr als 30 Millionen Euro teure Fluggerät sei nach einem Triebwerksschaden in der Nähe von Masar-i-Scharif zerschellt.