Bisher zeigte seine politische Karriere nur in eine Richtung: Steil nach oben. Karl-Theodor zu Guttenberg, der "adelige Senkrechtstarter" ( Bild ), stieg in kurzer Zeit vom wenig bekannten außenpolitischen Experten der CSU zum beliebtesten Politiker Deutschlands auf.

Wenn er auf seine Beliebtheit angesprochen wird, warnt Guttenberg: Umfragen seien launisch, es würden auch andere Zeiten kommen. Bereits in diesem Jahr könnte sich seine Prophezeiung erfüllen. Denn 2010 versprach der CSU-Politiker viel, die SPD verspottete ihn als Ankündigungsminister. In diesem Jahr muss er liefern.

Guttenberg hat sich viel vorgenommen, die Liste der Großprojekte ist lang : Verkleinerung der Truppe, Standortschließungen , Beginn des Abzugs aus Afghanistan, Ende der Wehrpflicht, Sparzwang, Steigerung der Attraktivität der Truppe. Jede dieser Aufgaben birgt das Risiko, zu scheitern.

Noch arbeiten seine Kritiker sich vergeblich an ihm ab. Mag die Opposition noch so sehr über seinen Politikstil schimpfen, mögen Kommentatoren in den Medien über sein Sendebewusstsein spotten – in Bayern gilt er längst als künftiger Ministerpräsident oder als erster Bundeskanzler aus den Reihen der Christsozialen.

Und selbst sehr weit nördlich des Weißwurstäquators, in Schleswig-Holstein oder Mecklenburg-Vorpommern, hat der Verteidigungsminister viele Fans gewonnen. Seine Beliebtheitswerte liegen bei Umfragen über denen der Kanzlerin und deutlich über denen des Außenministers. Selbst Aussetzer wie seine Einstufung des Kundus-Bombardements als "militärisch angemessen" konnten ihm nicht schaden.

Guttenbergs Karriere verlief also bisher ohne Rückschläge. Mit 30 Jahren wurde er 2002 als Direktkandidat in den Bundestag gewählt. Bei der vorgezogenen Wahl drei Jahre später erreichte er in seinem Wahlkreis ein Ergebnis von 60 Prozent der Erststimmen. Danach berief ihn die Fraktionsspitze zum Obmann der Union im Auswärtigen Ausschuss und zum Sprecher für Abrüstung, Nichtverbreitung und Rüstungskontrolle.

Überraschend machte ihn die CSU Ende 2008 zum Generalsekretär. Nur drei Monate später holte ihn Kanzlerin Angela Merkel dann in ihr Kabinett. Im Alter von 37 Jahren wurde er der jüngste Bundeswirtschaftsminister der Bundesrepublik. Seine Basta-Haltung beim Streit um Staatshilfen für Automobilkonzerne kostete ihn fast das Amt, brachte ihm aber einen größeren Beliebtheitsgrad ein. Mit 68,1 Prozent erzielte Guttenberg bei der Bundestagswahl 2009 das beste Ergebnis aller Direktkandidaten überhaupt.

Nach der Wahl forderte die FDP das Wirtschaftsministerium für sich, und Guttenberg wechselte in den Berliner Bendlerblock. Rudolf Scharping (SPD) und Franz Josef Jung (CDU) hatte das Amt kein Glück gebracht. Beide waren mit der Führung eines schwierigen Hauses und einer Armee im Dauerumbruch überfordert.

Guttenberg schien zunächst dort weiterzumachen, wo die Vorgänger aufgehört hatten. Er entließ den allseits beliebten Generalinspekteur Schneiderhan und den verdienten Staatssekretär Wichert aus fadenscheinigen Gründen. Mit dem Untersuchungsausschuss zum Kundus-Bombardement , bei dem in Afghanistan Dutzende Zivilisten gestorben waren, setzten SPD, Grüne und Linke ihn unter Druck. Doch die Entzauberung des Volkslieblings gelang der Opposition nicht einmal im Ansatz. SPD, Linke und Grüne scheiterten auch beim Versuch, den Minister zu einer Gegenüberstellung mit seinen beiden entlassenen Spitzenbeamten zu zwingen.

Bald sprach man in Berlin kaum mehr über die Kundus-Affäre und die schlechte Figur, die Guttenberg bei der Aufarbeitung gemacht hatte, sondern über die Bundeswehrreform und über den Afghanistaneinsatz , der immer gefährlicher wurde. Neun deutsche Soldaten starben 2010 in Afghanistan. Auf Trauerfeiern sprach Guttenberg von "kriegsähnlichen Zuständen" und dann von "Krieg im umgangssprachlichen Sinne". Sein Vorgänger hatte stets vom Aufbau von Schulen gesprochen.

Bei den Soldaten kommt Guttenberg mit der Forderung nach mehr Anerkennung für die Armee an, auch mit seinen zahlreichen Truppenbesuchen . Guttenberg flog sogar direkt zu einem Vorposten im Kampfgebiet, was noch kein Minister vor ihm getan hatte.

Die Soldaten verzeihen ihm dafür sogar die größten Eingriffe. Guttenberg hat Großes vor mit den deutschen Streitkräften. Er strebt einen Radikal-Umbau an, der die schwerwiegendste Reform seit der Gründung der Bundeswehr 1955 werden könnte. Selbst die heilige Kuh der deutschen Verteidigungspolitik, die Wehrpflicht, tastete der Minister an. Vor wenigen Tagen wurden die letzten Wehrdienstleistenden einberufen, im Grundgesetz bleibt die Möglichkeit der Einberufung aber stehen. Dafür hatte Guttenberg sich stark gemacht. Mancher in der FDP hätte den Paragrafen dagegen gerne gestrichen.