An ihrer bundesweiten Bekanntheit muss sie noch feilen – im Saarland allerdings hat sich Annegret Kramp-Karrenbauer bereits seit einem Jahrzehnt als Ministerin bewährt. Eine Umfrage kürte sie jüngst zur beliebtesten Politikerin in dem kleinen Bundesland an der Grenze zu Frankreich. Keine schlechten Voraussetzungen also für die 48-Jährige, die nach der Sommerpause in die Fußstapfen ihres Ziehvaters, des langjährigen CDU-Ministerpräsidenten Peter Müller, treten will .

Doch wer ist Kramp-Karrenbauer und wie geht es unter ihrer Ägide weiter mit dem Experiment der bundesweit ersten schwarz-gelb-grünen Jamaika-Koalition? In Saarbrücken sieht man den Wechsel an der Spitze der Regierung – jedenfalls bisher – gelassen. Die Koalitionspartner Grüne und FDP erhoffen sich frischen Wind im Land, nachdem Peter Müller schon lange Amtsmüdigkeit nachgesagt wird. Zuletzt fiel er vor allem dadurch auf, dass er im Landtag während der Debatte Schach auf seinem i-Pad spielte .

Kramp-Karrenbauer hingegen gilt auch den Koalitionsparteien als verlässlich und arbeitsam. Grüne und FDP können gut mit der Nachfolgerin. Das Jamaika-Bündnis sei "nicht auf eine Person ausgerichtet, die es zusammenhält", sagte die designierte Ministerpräsidentin der Süddeutschen Zeitung . Daher seien "Hamburger Verhältnisse" ausgeschlossen, heißt es auch von allen anderen Seiten. In Hamburg scheiterte die schwarz-grüne Koalition nur wenige Monate nach dem Rücktritt des Ersten Bürgermeisters Ole von Beust (CDU).

Die 48-Jährige ist außerdem tief in der Saar-CDU verankert. Mit 19 Jahren trat sie in die Partei ein, sie sitzt im Stadtrat ihres Wohnortes Püttlingen. Peter Müller machte sie 1999 zu seiner persönlichen Referentin, dann, nach dem Wahlsieg der CDU, zur Parlamentarischen Geschäftsführerin der Fraktion. 2000 ernannte Müller sie zur ersten Innenministerin eines Bundeslandes. 2007 wechselte Kramp-Karrenbauer ins Bildungsressort, seit 2009 ist sie in der Jamaika-Koalition Ministerin für Arbeit, Familie, Prävention, Soziales und Sport.

"Es gibt keine Aufgabe, die man Annegret nicht anvertrauen kann", sagte ihr langjähriger Chef Müller mal über die dreifache Mutter. Als enge Weggefährtin ist Kramp-Karrenbauer daher auch die Wunschnachfolgerin des scheidenden Ministerpräsidenten. Im November ließ er sie auf dem Parteitag der Bundes-CDU ins Präsidium der Bundespartei wählen. Damals schon ahnten manche, dass er sie als seine Nachfolgerin in Stellung bringen wolle.

Die saarländische Opposition verspottet Kramp-Karrenberger gerne als "Müllers Mädchen". Doch nun wird sie sich bald alleine an der Spitze des strukturschwachen und hoch verschuldeten Bundeslandes verantworten müssen. Die studierte Politologin mit den kurzen rötlichen Haaren muss allerdings noch an ihren von vielen als etwas zurückhaltend und spröde empfundenen Auftritten arbeiten.

In Interviews kündigte sie schon mal an, Müllers eher sozial angehauchte christdemokratische Politik weiterverfolgen zu wollen, dabei aber auch eine eigene Handschrift erkennen zu lassen. Inhaltlich konkret wird Kramp-Karrenbauer dazu jedoch nicht. Ihre Pressestelle will auch auf Nachfrage nicht mitteilen, welche Landesthemen künftig im Mittelpunkt stehen sollen. Dazu wolle sich die Kandidatin noch nicht äußern, heißt es. Erst einmal sei sie ja noch ein halbes Jahr Sozialministerin.

In jedem Fall wird Kramp-Karrenbauer in Zukunft vor allem ein unpopuläres Thema zu stemmen haben: den Schuldenabbau. 80 Millionen Euro pro Jahr muss das nur eine Million Einwohner zählende Saarland künftig wegen der Schuldenbremse sparen – das wird nicht ohne soziale Einschnitte gehen und auch das schwarz-gelb-grüne Bündnis auf eine Bewährungsprobe stellen.