FDP-Chef Guido Westerwelle steht vor einer der wichtigsten Reden seines politischen Lebens. Die Debatten um seine Verantwortung für den Absturz der FDP in der Wählergunst haben das am Donnerstag anstehende Dreikönigstreffen mit großer Bedeutung versehen. Offen sprachen Spitzenvertreter der Länder aus, dass sie eine begeisternde und wegweisende Rede von Westerwelle erwarten. Andernfalls, heißt es in der Partei, seien seine Tage als Parteichef wohl gezählt. 

FDP-Generalsekretär Christian Lindner versuchte nun, etwas Druck zu nehmen. "Unser Parteivorsitzender Guido Westerwelle wird eine Lagebestimmung vornehmen und unseren Kurs in der Regierung bestimmen", sagte Linder. Die Rede aber "zu einer Schicksalsrede hoch zu jazzen, davon halte ich gar nichts".

Forderungen aus der Partei, Westerwelle müsse die Rede seines Lebens halten, seien überzogen. Der FDP-Chef sei einer der besten Redner der Politik. Er halte aber nichts davon, "eine einzelne Rede derart zu stilisieren". Der Auftritt sei ein wichtiger Baustein für den Erfolg der FDP in diesem Frühjahr, "aber nicht der alleinige".

Das Problem: Die FDP verharrt weiter im Umfragekeller, hat aber in diesem Jahr mehrere Landtagswahlen zu bestehen. In Baden-Württemberg steht die Regierungsmacht auf dem Spiel. Nach einer Forsa-Umfrage kommen die Liberalen bundesweit auf vier Prozent. Länderumfragen zufolge muss die FDP befürchten, bei allen sieben Landtagswahlen in diesem Jahr an der Fünfprozenthürde zu scheitern. Westerwelle fiel in der Beliebtheitsskala auf ein Rekordtief.

Die Personaldebatte habe der FDP geschadet, sagte Lindner. Die Partei müsse über gute Regierungsarbeit erfolgreich werden. "Dazu müssen wir Lehren aus dem vergangenen Jahr ziehen. Eine ist, den Erwartungen der Wähler von Union und FDP zu entsprechen, die uns mit einem Politikwechsel beauftragt haben."



Der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer, der in der Vergangenheit in politischen Streitfragen, aber auch mittels rhetorischer Sticheleien immer mal wieder zu den Gegenspielern Westerwelles gehört hatte, stellte sich ebenfalls klar hinter den FDP-Vorsitzenden. Westerwelle gehöre zu den "ganz starken Figuren des deutschen Liberalismus". Gleichwohl sei die Ursachen für die Probleme der Koalition die Situation bei den Liberalen und deren Umfragewerte.

Die baden-württembergische Landesvorsitzende Birgit Homburger forderte ihre Partei auf, mehr Wählerzuspruch mit einem breiteren Themenspektrum zu suchen. "Die Haushaltssanierung hat Priorität, aber wir müssen die Themenverbreiterung fortführen", sagte die Chefin der FDP-Bundestagsfraktion. Ähnlich sagte es auch der Arbeitsmarktpolitiker Johannes Vogel: "Anspruch der FDP muss es sein, durch programmatische Breite und eine spannende Grundsatzdebatte neue Wählerschichten zu erreichen."

Seehofer macht den Fortbestand der schwarz-gelben Koalition in Berlin von einer Erholung der FDP abhängig. "Ich habe die Hoffnung, dass sich die FDP stabilisiert." Es gehe dabei "schlicht auch um die Koalition".

Der hessische FDP-Vorsitzende Jörg-Uwe Hahn griff die Unionsparteien an: Es sei "weder kameradschaftlich noch klug, dass sich CDU und CSU in innere Debatten der FDP einmischen", sagte er. "Ich verbitte mir diese aufgesetzten Krokodilstränen von Seehofer und (Angela) Merkel zur Frage der Person des FDP-Chefs" Hahn kommentierte damit die Solidaritätsbekundungen der Parteivorsitzenden der Union für Westerwelle.