Das Argument, dass die praktische Umsetzung der Ideologie in der Geschichte zu vielen Toten geführt hat, will Maurer nicht gelten lassen. Jede Ideologie sei missbraucht worden, betont Maurer. Im Christentum habe es Hexenverbrennungen gegeben, außerdem sei wegen christlichem Eifer in Jerusalem "Blut von Muslimen" geflossen. Nicht zu vergessen der Kapitalismus, der "Millionen von Toten in Vietnam" zu verantworten habe.

Bei den anderen Parteien ist man entsetzt. Dieser Beitrag sei ja wohl "unterirdisch" gewesen, sagte der Grünen-Abgeordnete Wolfgang Wieland. Aber er stünde nur exemplarisch für die Weltsicht der heutigen Linkspartei. Die "Kommunistin" Gesine Lötzsch und der "Porschefahrer" Klaus Ernst, das seien doch "Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht auf geistigem Mindestregelsatz".

"Sie haben das Bekenntnis zum Kommunismus erneuert und das im deutschen Bundestag", rief CSU-Generalsekretär Dobrindt sichtlich erbost in Richtung Maurers: "Antidemokratisch, verfassungsfeindlich und feige, das ist die Realität der Linke in Deutschland".

Schon am Vormittag hatten Vertreter der Union sich in Stimmung gegen die Linkspartei gebracht. Die Generalsekretäre von CDU und CSU, Hermann Gröhe und Dobrindt, bekräftigten im Bundestag ihre Forderung nach einer flächendeckenden Beobachtung der Linkspartei durch den Bundesverfassungsschutz. Bisher wird die Linke nur in fünf Bundesländern überwacht. Am Ende sei zu prüfen, sagte Dobrindt, ob nicht gar ein Parteiverbot angeregt werden sollte.

Dietmar Bartsch war wie viele ostdeutsche Linken-Funktionäre in seiner Jugend Mitglied der SED. Heute zählt der stellvertretende Fraktionschef zu den Realpolitikern unter den Linken. Bartsch kann sich ein Auflachen nicht verkneifen, als er von ZEIT ONLINE auf Dobrindts Verbotsandrohung angesprochen wird. Das sei ein christdemokratischer "Rückfall in die Schützengraben", sagt er. Er werde den rot-roten Regierungen in Berlin und Brandenburg dennoch nun nicht vorschlagen, die CDU durch den Verfassungsschutz beobachten zu lassen.