Nach ihren umstrittenen Äußerungen hat sich die Linken-Chefin Gesine Lötzsch weiter vom Kommunismus distanziert. Dieser sei eine "utopische Ideologie", die sie sich "jetzt gar nicht vorstellen" könne, sagte sie der Welt am Sonntag. Die SPD und die Grünen machten am Wochenende deutlich, dass sie eine Koalition mit der Linkspartei auf Bundesebene ablehnen.

"Ich bin keine Kommunistin, sondern eine demokratische Sozialistin", sagte Lötzsch. Die Arbeit für einen demokratischen Sozialismus sei ihr eigenes Ziel und das Ziel ihrer Partei. Die Vorgängerpartei PDS habe schon auf ihrem Gründungsparteitag 1990 "mit dem Stalinismus unwiderruflich gebrochen und uns bei den Opfern entschuldigt", sagte Lötzsch auf dem Landesparteitag der Linken in Hamburg.

Lötzsch war in die Kritik geraten, weil sie in einem Beitrag für die linksgerichtete Tageszeitung Junge Welt geschrieben hatte, die Linke könne nach "Wegen zum Kommunismus" suchen. Sie stellte aber klar, dass sie nicht den Kommunismus, sondern den demokratischen Sozialismus anstrebe. Sie war dafür von anderen Parteien, aber auch aus der Linken selbst kritisiert worden.

Linken-Fraktionschef Gregor Gysi forderte angesichts mehrerer bevorstehender Landtagswahlen ein Ende der innerparteilichen Flügelkämpfe. Die Partei müsse ihre "personelle Wichtigtuerei überwinden". Statt sich inhaltlich zu streiten, würden Personaldebatten geführt. "Es ist eben nicht glücklich, ausgerechnet in einem Jahr mit sieben Landtagswahlen die Programmdebatte zu führen", sagte Gysi.

Der ehemalige Linken-Vorsitzende Oskar Lafontaine nannte die Formulierungen Lötzschs "unglücklich". In der Bilanz sei ihr Artikel aber ein Bekenntnis zum Reformsozialismus gewesen. Er betonte, die Linkspartei sei eine reformsozialistische und keine kommunistische Partei.

SPD-Chef Sigmar Gabriel erteilte einer Koalition mit der Linkspartei nach der Bundestagswahl 2013 derweil eine Absage. "Eine Partei, die solche Zweifel an ihrer demokratischen Grundorientierung zulässt, kommt als Partner für uns auf Bundesebene nicht infrage", sagte Gabriel. Wer glaube, den Kommunismus ausprobieren zu müssen, sei es in der Opposition oder gar in einer Regierung, "dem kann wohl niemand mehr helfen". Gabriel legte unzufriedenen Mitgliedern der Linkspartei, "die diesen Unsinn leid sind", einen Wechsel zur SPD nahe. Auch SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier schloss ein Bündnis für den Fall aus, dass sich Linke-Führungskräfte zum Kommunismus bekennen.