Kein einfacher Tag für Karl-Theodor zu Guttenberg. Guido Westerwelle und die Opposition flirten miteinander – und Guttenberg ist dabei der Buhmann. Die SPD lobt schon seit Tagen ostentativ das Afghanistan-Konzept des Außenministers, der sich unmissverständlich für einen Abzugsbeginn der deutschen Soldaten noch in diesem Jahr ausspricht. Natürlich ist das ein Stückweit politische Rhetorik: Denn das Lob für den Außenminister wird stets flankiert von der Schelte für den Verteidigungsminister, der diese Ankündigung Westerwelles zuletzt öffentlich hinterfragt hatte.

An diesem Freitag im Bundestag gibt Westerwelle die Komplimente an die SPD zurück. Der Regierung ist daran gelegen, dass die Sozialdemokraten in der kommenden Woche der Mandatsverlängerung für den Afghanistaneinsatz zustimmen. Und Westerwelle ist überdies froh darüber, einmal nicht isoliert zu sein und unter Beschuss zu stehen. Deshalb lobt er in seiner Rede im Bundestag die SPD, und fordert Grüne wie Linke auf, sich von ihr "eine Scheibe abzuschneiden", angesichts deren ernsthaften Auseinandersetzungen zum Thema Afghanistan .

Westerwelle ist gut drauf an diesem Freitag. Als er einen Linken-Politiker auflaufen lässt, der ihm eine Zwischenfrage stellt, erhält er lauten Beifall der beiden Regierungsparteien. Die SPD-Abgeordneten müssen sich das Klatschen verkneifen. Die Kanzlerin kichert gelöst. Die Kabinettskollegen nicken sich zu.

Nur einem auf der Regierungsbank scheint Westerwelles Rede nicht zu gefallen. Guttenberg lauscht ihr mit angespannter Miene. Er spricht nach Westerwelle, lediglich unterbrochen von einem Sozialdemokraten, der Westerwelles Schmeicheleien kokett zurückweist und Guttenberg dafür um so heftiger angreift, als einen Politiker, der sich nur für Talkshows interessiere und Afghanistan aus rein "militaristischer Brille" betrachte.

Guttenberg wiederholt zwar seinen von der SPD kritisierten Satz, dass man mit dem Abzug nur dann schon 2011 beginne, "wenn es die Lage" erlaube, aber ansonsten bemüht er sich "ausdrücklich" Westerwelle beizupflichten. Die Zusammenarbeit der Ressorts sei "erstklassig"; der "Kollege Westerwelle" habe auf vieles "völlig richtig" schon hingewiesen. Der Applaus für Guttenberg ist dünner. Den Wettbewerb zwischen dem Verteidigungs- und dem Außenminister, als solcher wird er vom jeweiligen Umfeld durchaus verkauft, hat Westerwelle an diesem Freitag gewonnen.

Allerdings ist das Guttenbergs kleineres Problem derzeit. In dieser Woche kamen mehrere unschöne Vorgänge innerhalb der Bundeswehr ans Licht. Guttenberg widmet ihnen die ersten Minuten seiner Rede. Er versichert, die "Fehler" der einzelnen Soldaten konsequent aufklären zu wollen. Und er verwehrt sich gegen den von der Opposition erhobenen Vorwurf, er oder seine Mitarbeiter hätten das Parlament "vorsätzlich getäuscht".

Tatsächlich sind viele Parlamentarier aus dem Verteidigungsausschuss erbost über die Informationspolitik des Ministeriums. "Entweder wurde bis gestern versucht, wichtige Informationen zu vertuschen – oder im Ministerium herrscht Chaos", sagt Agnieszka Malczak ZEIT ONLINE, die die Grünen in diesem Gremium vertritt, stellvertretend für viele. Besonders der Umgang mit dem Vorgang vom 17. Dezember, als ein deutscher Soldat in Afghanistan getötet wurde , alarmiert die Politiker der Opposition.

Die Abgeordneten wurden kaum anders informiert als die Öffentlichkeit, nämlich: scheibchenweise und unvollständig. Hans-Peter Bartels, der für die SPD im Verteidigungsausschuss sitzt, klagt über "drei Versionen", mit denen die Abgeordneten in diesem Fall konfrontiert worden seien. Zunächst erhielten sie am 17. Dezember eine interne Meldung des Einsatzführungskommandos, der zu entnehmen war, dass ein "deutscher Soldat mit einer Schusswunde aufgefunden" wurde. Später kam die Information dazu, dass sich ein tragischer Unfall beim Waffenreinigen ereignet haben soll. Ein Experte sagt dazu: "Normalerweise ist das ein Codewort für Selbstmord".