Für die Liberalen sollte es angesichts der Negativschlagzeilen der vergangenen Wochen der Befreiungsschlag werden: die Rede von Parteichef Guido Westerwelle auf dem traditionellen Dreikönigstreffen in Stuttgart. Doch der Vizekanzler und Außenminister konnte nicht alle Parteikollegen von sich überzeugen: "Das kann nicht alles gewesen sein, das darf nur der erste Teil der Rede gewesen sein", kritisierte der hessische FDP-Vorsitzende Jörg-Uwe Hahn, der am 27. März Kommunalwahlen zu bestehen hat. Als Zustandsbeschreibung der Partei sei die Rede sehr gut gewesen. Doch habe ein wesentlicher Teil gefehlt, nämlich eine Aussage darüber, wie die Partei aus dem Umfragetief herauskommen könne.

Auch für die die Opposition ist der Auftritt Westerwelles nur eine Bestätigung ihrer Kritik: Die FDP bleibt eine Partei von gestern, deren Politik nur die Wähler ein Ende setzen könnten. Westerwelle sei auch weiterhin ein "Vorsitzender auf Abruf", sagte der Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann. Ein Befreiungsschlag sei diese Rede nicht gewesen. "Der Auftritt war ein Flop." Westerwelle ignoriere die Debatte um ihn und seine Zukunft. "Stattdessen schwadroniert er über historische Siege und holt die Klassenkämpfe der Vergangenheit aus der Mottenkiste."

Der FDP-Vorsitzende bemerke gar nicht mehr, in welcher Situation er sich befinde, fügte Oppermann hinzu. "Westerwelle klammert sich an das Steuerrad, aber er kann den Kurs nicht mehr bestimmen." 

Diese Kritik teilt auch Claudia Roth. Die Grünen-Vorsitzende warf ihrem liberalen Amtskollegen "vollendete Uneinsichtigkeit" vor. "Der FDP-Chef zitiert in frostiger Atmosphäre die Ladenhüter seiner gescheiterten Politik", hieß es in einer Mitteilung der Politikerin. "Seine Lehre aus der Krise der FDP ist: Jetzt noch mehr vom Falschen." Mit Blick auf das Superwahljahr 2011 sagte sie: "Da die FDP den politischen Kurswechsel nicht schafft, müssen es im Frühjahr eben die Wähler richten." 

Auch das Lob vom Koalitionspartner klang eher verhalten. Für den Vorsitzenden der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Hans-Peter Friedrich, war es "insgesamt eine gelungene Rede". Ein Ende der FDP-Führungskrise sei nun "möglich", den Liberalen sei es gelungen, ihre "kurze Durststrecke" zu überwinden. Friedrich ergänzte: "Ich habe auch nie einen Zweifel daran gehabt, dass Guido Westerwelle als Kämpfer auch die richtige Position wiederfinden wird."

In seiner Rede hatte Westerwelle die Partei dazu aufgerufen, ungeachtet schlechter Umfragewerte an ihrem bisherigen Kurs festzuhalten. "Wer ein Land führen will, muss bereit sein, Durststrecken auch zu ertragen", rief er den Delegierten entgegen und warnte vor einer Regierungsübernahme durch Grüne, SPD und Linke. Auf die Kritik an seiner Arbeit und den Rücktrittsforderungen der Parteibasis ging er nicht ein.