Seit 1992 arbeitete Lutz Penesch für die Birthler-Behörde, nun legte der oberste Personalratsvertreter sein Mandat nieder. Nach einem Bericht der Zeitung Die Welt waren zuvor Stasi-Unterlagen über ihn entdeckt worden. Penesch, berichtet die Zeitung, habe daraufhin vergangene Woche auf der Sitzung des Hauptpersonalrates in einer persönlichen Erklärung eingeräumt, im Alter von 17 Jahren von der Staatssicherheit verführt worden zu sein. Die Birthler-Behörde wollte auf Anfrage keine Angaben zu dem Umfang der aufgefundenen Dokumente machen.

Die Mitarbeiter der Behörde wurden am vergangenen Mittwoch über den Schritt unterrichtet. Ihnen sei allerdings nur mitgeteilt worden, dass sich Penesch "aus persönlichen Gründen" zurückgezogen habe.

Penesch wurde vor fünf Jahren zum Vorsitzenden des Hauptpersonalrates beim Bundesbeauftragten für Kultur und Medien gewählt. Dieses Gremium vertritt sowohl die Interessen der Arbeitnehmer in der Birthler-Behörde als auch der Mitarbeiter im Haus von CDU-Kulturstaatsminister Bernd Neumann.

Nach dem Rücktritt Peneschs wird nun Kritik an der Personalpolitik der Birthler-Behörde laut. Der stellvertretende Vorsitzende der Unions-Bundestagsfraktion, Arnold Vaatz, sagte der Mitteldeutschen Zeitung, "die Behörde muss die Frage beantworten, wie das erst jetzt bekannt werden konnte". Der kulturpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion und Berichterstatter für das Stasi-Unrecht, Reiner Deutschmann, forderte die Behördenleitung auf, dafür zu sorgen, "dass keine Stasi-Täter" dort arbeiten. Stasi-Täter in der Behörde zu beschäftigen, sei "ein Schlag ins Gesicht der zahlreichen Opfer und eine Demütigung", erklärte er.

Der Leiter des Forschungsverbundes SED-Staat an der Freien Universität Berlin, Klaus Schroeder, sagte der Zeitung, er habe empfohlen, das Personal der Birthler-Behörde "strenger und häufiger" auf ehemalige Kontakte zur DDR-Staatssicherheit zu überprüfen. Der Vorschlag sei aber unerwünscht gewesen. "Es wäre zu wünschen, dass der künftige Behördenchef Roland Jahn genauer hinschaut als Marianne Birthler", sagte Schroeder. Jahn tritt Mitte März die Nachfolge der bisherigen Leiterin der Stasi-Unterlagen-Behörde an.

Die Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft forderten eine Ausweitung der Stasi-Überprüfung. Auch alle ehrenamtlichen Mitglieder sensibler Behörden und Institutionen sowie von Verbänden müssten sich einer Überprüfung auf eine frühere Stasi-Tätigkeit stellen, erklärte der Vorsitzende des Dachverbandes, Rainer Wagner.