Das Einsatzführungskommando der Bundeswehr bestätigte am Freitagabend in Potsdam, dass der junge Mann seinen Verletzungen erlegen sei. Der Hauptgefreite hätte in knapp zwei Wochen seinen 22. Geburtstag gefeiert. Ein Mitglied der afghanischen Nationalarmee hatte am Freitag in einem deutschen Feldlager im Norden des Landes um sich geschossen. Bei dem Angriff waren bereits zwei Bundeswehrsoldaten getötet worden. Zwei weitere Kameraden schweben noch in Lebensgefahr. Vier weitere Soldaten wurden bei dem Anschlag leicht verletzt.

Der afghanische Angreifer war eigentlich zum Schutz des Bundeswehr-Außenpostens "Observation Point North" eingesetzt und hatte völlig überraschend auf einem Abstellplatz für Fahrzeuge in der Nähe des Haupttores das Feuer auf die Soldaten eröffnet. Das Motiv seiner Tat ist noch unklar. Auch zur Identität des Täters gab die Bundeswehr zunächst keine Auskunft.

Der "OP North" in der Unruheprovinz Baghlan gehört zu den gefährlichsten Stützpunkten der Bundeswehr in Afghanistan. Derzeit sind dort etwa 500 deutsche Soldaten stationiert. Erst in der Nacht zum Donnerstag hatte der Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) selbst in dem Camp übernachtet. Der Minister versicherte, dass die Bundeswehr an der Zusammenarbeit mit der afghanischen Armee festhalten wolle. Die Truppe gilt unter den deutschen Soldaten nicht als besonders zuverlässig.

Guttenberg warnte davor, das sogenannte Partnering mit der afghanischen Armee jetzt in Frage zu stellen. Wer dies tue, spiele dem Gegner in die Hände. "Allerdings birgt dieses Miteinander auch Risiken", sagte der Verteidigungsminister. Als Folge aus dem Anschlag wurde eine andere Einheit der afghanischen Streitkräfte mit der Außensicherung des Camps betraut.

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) sprach von einem "hinterhältigen Terrorakt". Der Anschlag habe nicht nur der Bundeswehr gegolten. "Es war ein Angriff auf all jene, die sich für ein friedliches Afghanistan einsetzen", sagte er.

Bei einem weiteren Anschlag nahe Kundus wurden am Freitagabend vier deutsche Soldaten verletzt. Von ihnen sei aber niemand in Lebensgefahr, sagte ein Sprecher. Eine deutsche Patrouille sei gegen 17.40 Uhr deutscher Zeit (21.10 Uhr Ortszeit) etwa acht Kilometer nordwestlich des Stützpunkts Kundus mit Handfeuerwaffen und Panzerabwehrhandwaffen beschossen worden. Die Verletzten seien jetzt in sanitätsdienstlicher Behandlung.

Damit kamen seit Beginn des Afghanistan-Einsatzes 2001 bereits 48 deutsche Soldaten ums Leben. 30 davon starben im Gefecht oder bei Anschlägen. Die Bundeswehr ist im Rahmen des internationalen Einsatzes für den Norden des Landes zuständig. Ende dieses Jahres soll mit ihrem Abzug begonnen werden.