Frauen machen die Wirtschaft profitabler! – Firmen, in denen besonders viele Frauen einen Sitz im Vorstand haben, erzielen eine bis zu 53 Prozent höhere Eigenkapitalrendite rechnet etwa das US-amerikanische Frauenforschungsinstitut Catalyst vor. Dennoch weigert sich die deutsche Wirtschaft bislang, diese (vermeintlich) gewaltige Gewinnchance wahrzunehmen. Deshalb wächst sowohl bei der Bundesregierung als auch bei der Europäischen Kommission die Neigung zur Einführung einer Frauenquote in Führungspositionen – selbst wenn die Bundeskanzlerin jetzt fürs erste auf die Bremse tritt.

Angesichts der behaupteten "win-win-Situation" erscheint dieser Konfliktkurs zunächst kaum verständlich. Tatsächlich zielt die neue Geschlechterdebatte auf mehr Macht und Geld für Frauen – auf Kosten der Männer.

Das ist nicht anstößig. Allerdings stellt sich die Frage, wie viele Frauen überhaupt dazu motiviert sind, die rund 500 Aufsichtsratsposten der Dax-Konzerne stürmen zu wollen. Und brauchen sie dafür wirklich eine Frauenquote, die die Eliten von Politik, Wirtschaft und Medien auf Trab hält?

Bereits der Blick ins schwarz-gelbe Regierungskabinett bestätigt das Gegenteil. Dort sind die Frauen schon zu mehr als 30 Prozent vertreten. Ihr typisches Hauptmerkmal: Kinderlosigkeit. Das bestätigt der Blick auf die Top-Frauen in der Wirtschaft. Rund 75 Prozent von ihnen leben ohne eigenen Nachwuchs.

Kaum verwunderlich. "Die Erwartungshaltung vieler Unternehmer", so kritisierte Bundesfamilienministerin Kristina Schröder bereits vor Monaten, sei, "dass eine Arbeitswoche 70 bis 80 Stunden haben muss". Zeit für Partner, Familie und Freunde bleibt da kaum; von Zeit für Kinder gar nicht erst zu reden.

Selbst viele beruflich hoch motivierte und qualifizierte Frauen sind dazu nicht bereit, wie Personalchefs klagen. Sobald sie Kinder bekämen, würden sie nicht nur eine Berufspause einlegen, sondern wollten überwiegend nur noch Teilzeit arbeiten. Damit kommen sie dann nicht mehr für Führungsaufgaben in Frage; häufig werden sie beruflich degradiert und auf Stellen deutlich unter ihrem Qualifikationsniveau abgeschoben – sogar in Betrieben, die sich mit dem Zertifikat "Geprüfte Familienfreundlichkeit" schmücken dürfen.

Tatsächlich ist Teilzeitarbeit das von Frauen am meisten gewünschte Arbeitszeitmodell, wie etwa letzte Woche das Gutachten für den ersten Gleichstellungsbericht der Regierung erneut belegt. Frauen würden am liebsten zwischen 30 und 35 Wochenstunden erwerbstätig sein; Mütter nur zwischen 25 und 30 Stunden, mit kleinen Kinder noch weniger. Selbst viele Männer würden gern im Durchschnitt fünf Stunden weniger pro Woche arbeiten. Vollzeiterwerbstätige Väter sogar zwischen 3 und 11 Stunden!