Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hält zu ihrem Verteidigungsminister. Gleichwohl könne sie, so ließ sie über ihren Regierungssprecher mitteilen, Erregung, Empörung und verletzte Gefühle in der wissenschaftlichen Welt durchaus verstehen. Sie bleibt jedoch bei ihren Äußerungen der vergangenen Woche, wonach sie Karl Theodor zu Guttenberg nicht als wissenschaftlichen Mitarbeiter eingestellt habe. 

Die Bundeskanzlerin habe großen Respekt vor den Wissenschaftlern und ihren Leistungen, fügte Sprecher Steffen Seibert hinzu. Sie teile aber nicht die Schlussfolgerung, dass es sich dabei um eine Missachtung der Wissenschaft gehandelt habe. Bei der Frage, wer ein geeigneter Verteidigungsminister ist, kämen eben andere Sachüberlegungen zum Tragen als eine Promotion. Seibert bezeichnete die Vorwürfe als "ein in der Wissenschaft sehr ernsten Vorgang". Nun wirke Guttenberg aber auf dem "sehr anderen Arbeitsfeld" als Verteidigungsminister.

Die von Guttenberg selbst eingestandenen Fehler bei der Erstellung seiner Promotionsarbeit, die inzwischen zur Aberkennung des Doktortitels geführt haben, waren bei Wissenschaftlern vielfach auf Kritik gestoßen. Am Montag übergab eine von Doktoranden gestartete Initiative einen gegen Guttenberg gerichteten offenen Brief mit mehr als 20.000 Unterschriften an das Bundeskanzleramt. 

Dieser Kritik schließt sich nun auch Guttenbergs Doktorvater an. Anfangs hatte der Bayreuther Jura-Professor Peter Häberle noch gesagt, "Die Arbeit ist kein Plagiat". Nun spricht er von einer "ersten spontanen und letztlich zu vorschnellen Reaktion". Die Umstände der von ihm betreuten Promotion seien geeignet, "den Ruf der Universität Bayreuth in der öffentlichen Diskussion in Misskredit zu bringen", heißt es laut einem Bericht der Zeitung Die Welt in einer Erklärung des 76-Jährigen. "Die in der Promotionsschrift von Herrn zu Guttenberg entdeckten, mir unvorstellbaren Mängel sind schwerwiegend und nicht akzeptabel."

Auch die Opposition hat das Thema Guttenberg-Promotion noch nicht ad acta gelegt. Die Grünen warfen der Kanzlerin eine Beschädigung des Wissenschaftsstandorts Deutschland vor. "Wir sind der Meinung, dass Angela Merkel mit ihrer Position der Demokratie in unserem Land und den Regeln einen Totalschaden zufügt", sagte Parteichefin Claudia Roth. Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck verwies auf die Prüfverfahren durch den Bundestag. "Der Ältestenrat wird auf jeden Fall in seiner nächsten Sitzung am 17. März noch einmal über weitere Schritte zur Aufklärung beraten."

Die CSU-Spitze stellte sich dagegen erneut demonstrativ hinter ihren Parteifreund. "Es besteht nicht der geringste Zweifel, dass die Partei geschlossen zu ihrem Minister Karl-Theodor zu Guttenberg steht", sagte CSU-Chef Horst Seehofer und forderte die Koalitionspartner CDU und FDP auf, die Angriffe auf diesen einzustellen. Die CSU sei ein Teil dieser Koalition und dürfe deshalb erwarten, dass man mit Respekt mit Ministern umgehe.

Als "unangemessen" bezeichnete Seehofer die mehrfach geäußerte Kritik von Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU). Dieser soll zuletzt vor SPD-Abgeordneten gesagt haben, die Affäre sei "ein Sargnagel für das Vertrauen in unsere Demokratie". Auch weitere "einzelne Äußerungen" aus CDU und FDP, fügte der bayerische Ministerpräsident hinzu, kämen der CSU "schon befremdlich vor". Damit spielte er vor allem auf Bildungsministerin Annette Schavan an, die sagte, sie schäme sich nicht nur heimlich.