Die Kritik an Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) nimmt auch in den eigenen Reihen zu. Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) kritisierte im WDR das Krisenmanagement Guttenbergs. "Die Presseerklärung, die Karl-Theodor zu Guttenberg am vergangenen Freitag gegeben hat, war jedenfalls kein überzeugender Beitrag zur Problembewältigung." Er könne sich dies nur so erklären, dass dem Minister zu dem Zeitpunkt "das Ausmaß der Schlampigkeit nicht klar war, mit der die Arbeit verfasst und eingereicht worden ist".

Ähnliche Töne schlug nun auch CDU-Vorstandsmitglied Regina Görner an. "Auch der Auftritt in Kelkheim reicht als Entschuldigung nicht aus", sagte Görner der Tageszeitung. "Zu Guttenberg muss erklären, wie es zu den krassen Fehlern in seiner Dissertation gekommen ist."
Guttenberg hatte in der vergangenen Woche zwei Anläufe unternommen, die Affäre in den Griff zu bekommen. Zunächst bezeichnete er den Plagiatsvorwurf als "abstrus" und schloss lediglich einzelne Unkorrektheiten nicht aus. Dann ließ er den Doktortitel bis zur Aufklärung der Vorwürfe vorübergehend ruhen. Auf einer CDU-Veranstaltung im hessischen Kelkheim erklärte er am Montagabend schließlich seinen endgültigen Verzicht. Allerdings kann ihm formell nur die Universität den Titel aberkennen. 

SPD und Linke legten Merkel die Entlassung ihres Ministers nahe. Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) sicherte Guttenberg hingegen volle Solidarität zu. "Du kannst dich auf unsere Solidarität und Freundschaft verlassen", sagte Kauder in der Fraktionssitzung in Berlin nach Teilnehmerangaben. Nach seinem Verzicht auf den Doktortitel müsse "jetzt Schluss sein mit der Diskussion", forderte Kauder unter dem Beifall der Abgeordneten, hieß es. Guttenberg habe angespannt gewirkt und sich selbst nicht geäußert, ebenso wenig Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Aus Kreisen der Unionsfraktion wurde bekannt, Guttenberg wolle sich nun doch an diesem Mittwoch im Bundestag zu der Affäre um seinen Doktortitel äußern. Er werde während der Aktuellen Stunde im Parlament sein und "das Wort ergreifen", hieß es. In der vorgeschalteten Fragestunde wird Guttenberg nach Ministeriumsangaben aber nicht selbst auftreten. Hier werden voraussichtlich seine parlamentarischen Staatssekretäre zur Beantwortung der Fragen einspringen. Bisher hatte Guttenberg offen gelassen, ob er selber das Wort ergreifen werde oder nicht.