Guttenberg hatte Schneiderhan und Wichert entlassen, weil sie ihm angeblich absichtlich Berichte vorenthalten hätten. In einer Talkshow warf der Freiherr den Spitzenbeamten sogar Unterschlagung vor. Da ihm der Feldjägerbericht gefehlt habe, sei er zu einer falschen Bewertung des Luftangriffs auf zwei von Taliban entführte Tanklaster gekommen. Guttenberg hatte diesen als militärisch angemessen und notwendig bezeichnet. Diese Einschätzung musste der Minister später revidieren – mit dem Hinweis auf vorenthaltene Information. Schneiderhan warf Guttenberg daraufhin in der ZEIT vor, die Unwahrheit zu sagen.

Selbst wenn es keine Verfahrensfehler gegeben hätte, hätte es zum Luftschlag kommen müssen
Karl-Theodor zu Guttenberg als Verteidigungsminister

Wahr ist, dass Schneiderhan und Wichert einen Bericht der Feldjäger ihrem Minister nicht auf den Tisch gelegt hatten. Sein Vorgänger im Amt, Franz Josef Jung, hatte ihn aber bekommen und ungelesen an die Nato-Ermittler weiterleiten lassen. Im Ministerstab hätte also eigentlich eine Kopie vorhanden sein müssen. Die entlassenen Beamten sagten später, der Bericht habe keine Informationen enthalten, die über den Bericht des Isaf-Kommandeurs Stanley McChrystal hinausgingen. Demnach traf Guttenberg seine zwei sich widersprechenden Einschätzungen des Tanklaster-Bombardements (" militärisch angemessen " am 6.11.2009 und " militärisch nicht angemessen " am 3.12.2009) auf Basis fast derselben Informationslage. Bereits damals begannen Bundestagsabgeordnete hinter vorgehaltener Hand über den "Lügenbaron" zu spotten.

Wahrgenommen wurde dies nur von wenigen. Dass es Guttenberg nun gelingt, die Plagiatsaffäre zu überstehen, ohne Schaden zu nehmen, bezweifeln selbst einige Parteifreunde. Ein künftiger Kanzlerkandidat oder Wettbewerber um den Ministerpräsidentenposten in Bayern, der von der politischen Konkurrenz als Hochstapler verhöhnt wird? Das ist schwer vorstellbar. Auch dass Guttenberg nun freiwillig auf den Dr. vor seinem Namen verzichten will, ändert daran nichts.

Ein anderer Freiherr zu Guttenberg hat vor langer Zeit schon passende Worte gefunden: "Am Ende zählt, ob er ist, was er vorgibt zu sein", schrieb 1971 der Großvater des Verteidigungsministers in seinem Buch. Sein Titel: Fußnoten .