In Stuttgart hat die Polizei am Dienstagmorgen eine Sitzblockade aufgelöst, mit der Gegner des Bahnprojekts Stuttgart 21 Baumverpflanzungen verhindern wollten. Wie die Polizei mitteilte, blockierten etwa 50 Menschen eine Straße und hinderten vier Baufahrzeuge mit Baumverpflanzungsmaschinen an der Zufahrt zum Baugelände. Die Polizei wies den Demonstranten nach eigenen Angaben einen anderen Versammlungsort zu, den diese aber nicht akzeptierten. Die Demonstranten seien der mehrfachen Aufforderung, die Straße freizumachen, nicht nachgekommen und hätten von Polizeibeamten weggebracht werden müssen, erklärte die Polizei.

Dabei seien Schlagstöcke eingesetzt worden, sagte der Sprecher der Parkschützer, Matthias von Herrmann. Einige Demonstranten besetzten auch Bäume. Um 3.34 Uhr waren mehr als 32.000 Parkschützer über Handys oder E-Mail vermutlich von Aktivisten alarmiert worden. Die Baumaschinen seien letztendlich gegen 4.45 Uhr auf das Baugelände gefahren.

Daraufhin setzten die Stuttgart-21-Gegner ihre Proteste fort. Als die Verpflanzungsmaschine mit dem Ausgraben des ersten Baumes begonnen habe, hätten mehrere Aktivisten am Bauzaun gerüttelt, "so dass dieser gefährlich in Schwingung kam", erklärte die Polizei. Polizeibeamte hätten die Demonstranten zurückgedrängt.

Am Montagabend hatten nach Polizeiangaben etwa 3000 Menschen in Stuttgart an einer Kundgebung und einem anschließenden Protestzug gegen das Bahnprojekt teilgenommen. Einige Hundert Aktivisten seien danach "wieder in einer nicht angemeldeten Aktion laut lärmend und Parolen skandierend" durch die Straßen gezogen. Die Bahn will bis 2020 den Stuttgarter Kopfbahnhof für mindestens 4,1 Milliarden Euro in einen unterirdischen Durchgangsbahnhof umbauen. Im vergangenen Jahr waren die Proteste gegen das Projekt eskaliert. In einem Schlichtungsverfahren wurden Änderungen vereinbart, die Proteste gegen das Bauvorhaben gingen aber weiter.