Verteidigungsminister zu Guttenberg im Bundestag © Thomas Peter/Reuters

Nach der Aberkennung des Doktortitels prüft die Universität Bayreuth, ob Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) die Hochschule mit seiner fehlerhaften Arbeit bewusst getäuscht hat. "Einen Täuschungsvorsatz nachzuweisen ist sehr komplex und langwierig, zumal zu Guttenberg diesen Vorwurf bestreitet", sagte Universitätspräsident Rüdiger Bormann. Die Kommission für die Selbstkontrolle der Wissenschaften an der Universität Bayreuth werde das Fehlverhalten des Ministers eingehend untersuchen und bewerten. Dies werde wohl einige Wochen dauern.

Der Bremer Juraprofessor und Entdecker der Mängel der Doktorarbeit von zu Guttenberg, Andreas Fischer-Lescano, wirft dem Verteidigungsminister vorsätzliche Täuschung vor. Er beklagte im Berliner Tagesspiegel, der Bayreuther Promotionsausschuss habe sich bei der Aberkennung des Doktortitels "um die Wertung der Täuschung herumgedrückt". Der CSU-Politiker habe systematisch verschleiert, abgeschrieben und getäuscht.

"Den Vorsatz kann man bei diesem intellektuellen Betrug dann im Grunde nur noch dadurch verneinen, dass man den Autor für unzurechnungsfähig erklärt", sagte Fischer-Lescano.

Der Bayreuther Universitätspräsident Bormann betonte, für den Beschluss der Promotionskommission der juristischen Fakultät vom Mittwoch, Guttenberg den Doktortitel zu entziehen, habe ein möglicher Täuschungsvorsatz keine Rolle gespielt. Das Ausklammern dieses strittigen Themas sei nötig gewesen, um zu einer zügigen Entscheidung zu kommen.

Über weitere Konsequenzen im Verhältnis zu dem ehemaligen Studenten und Doktoranden der Universität müsse im Einzelfall noch entschieden werden, sagte Bormann. Von der Internet-Seite des Ehemaligennetzwerks der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät ist das Foto Guttenbergs mittlerweile verschwunden. Der Verteidigungsminister steht aber nach wie vor als Gastredner auf der Einladung zu einem Ehemaligentreffen der juristischen Fakultät am 21. Mai – allerdings ist der Doktortitel vor seinem Namen bereits am Dienstag gelöscht worden.

Die SPD will eine zusätzliche Prüfung der Plagiatsvorwürfe im Ältestenrat des Bundestages durchsetzen. SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann beantragte, die Nutzung des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages durch Guttenberg gründlich zu untersuchen. Der CSU-Politiker hatte eingestanden, aus vier Gutachten der Parlamentswissenschaftler zitiert zu haben. Die SPD wies am Mittwoch im Bundestag aber auf sechs Arbeiten hin, derer sich der Minister bedient hatte.

Das bestätigten jetzt auch Teilnehmer des Ältestenrates. Bundestagspräsident Norbert Lammert habe die Übernahme der Texte in Guttenbergs Arbeit als "deprimierend eindeutig" bezeichnet. Nach dem Willen der SPD sollte Lammert zudem prüfen, ob Guttenberg dabei gegen das Urheberrecht verstoßen und die Werke unerlaubt verwendet hat. Das Gremium vertagte seine Entscheidung darüber um drei Wochen.

Alle von Guttenberg dort und beim Sprachendienst in Auftrag gegebenen Arbeiten seien daraufhin zu überprüfen, "ob und inwieweit sie in die Dissertation des Abgeordneten zu Guttenberg eingeflossen sind". Geprüft werden solle auch, ob der Verteidigungsminister dabei gegen das Urheberrecht des Bundestages verstoßen und die Werke unerlaubt verwendet habe.