Kurt Beck strahlt auf sein Publikum herab. "Heimat" prangt es auf großen Lettern vom Wahlkampfbanner hinter ihm, "für gebührenfreie Bildung" und "für starke Wirtschaft" steht da geschrieben. Und deutlich kleiner: "Für soziale Sicherheit." Es ist die politische Agenda des rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten.

Beck hat am Mittwochabend zum politischen Aschermittwoch ins Kurfürstliche Schloss in Mainz geladen. In dem prunkvollen Sandsteingebäude will der langjährige SPD-Landeschef die heiße Wahlkampf-Phase einläuten. Es sind nur noch zweieinhalb Wochen bis zur Landtagswahl im Südwesten. Die "Fassenacht", wie es hier heißt, ist gerade vorbei. Ein paar Luftschlangen hängen noch von den Kronleuchtern im Festsaal. Die Putzkolonne ist noch nicht in diese luftigen Höhen gelangt.

Aber das ist egal. Unter dem tosenden Geklatsche der tausend geladenen Gäste ist Beck übermütig zum Rednerpult gesprungen und nun tut er das, was er so oft tut. Er dankt. Dieses Mal den Karnevalisten. Die hätten Mainz mal wieder zum Ort des "Frohsinns" gemacht. Aber Mainz sei seit neuestem auch zur Stadt der Wissenschaft  gekürt worden, schickt Beck hinterher. Kein ungeschickter Auftakt für seine Rede, schließlich spricht die SPD-Regierung im Wahlkampf gerne über ihre Bildungspolitik.

Die Opposition hingegen nennt Beck "König Kurt", und sie meint das durchaus abfällig, weil er schon 16 Jahre zwischen Kaiserslautern, Mainz und Koblenz regiert. Außerdem stellen die Sozialdemokraten seit 2006 in Rheinland-Pfalz eine Alleinregierung. Das mit dem "König" ficht Beck nicht wirklich an. Er findet, dass er das Beste ist, was Rheinland-Pfalz passieren konnte. Ein in den Städten des Landes zurzeit prominent platziertes SPD-Wahlplakat ziert der schlichte Spruch: "Auf gutem Kurs, Rheinland-Pfalz"

Die Landespartei steht geeint hinter Beck. Der 62- Jährige weiß, dass er mit sehr großer Wahrscheinlichkeit Ministerpräsident bleiben wird. CDU-Konkurrentin Julia Klöckner liegt in Umfragen zwar nur wenige Prozentpunkte hinter ihm, ihr fehlt aber wegen der schwächelnden FDP ein Koalitionspartner zur Mehrheit.

Auch Beck wird dieses Mal einen Regierungspartner brauchen, das werden wohl die Grünen sein. Doch an diesem Abend spielt die Ökopartei keine Rolle. Der Ministerpräsident spricht lieber vom rheinland-pfälzischen Wirtschaftswachstum und gebührenfreien Kindergärten. Er betont den sozialen Aspekt seiner Politik: "Im Miteinander liegt unsere Kraft und in der Menschlichkeit", ruft er den rhythmisch klatschenden Genossen zu.

Für Gegnerin Klöckner hat er nur Spott übrig. Deren Schattenkabinett zerpflückt er genüsslich. Der von der CDU als Finanzexperte ins Spiel gebrachte Lars Martin Klieve habe als Kämmerer in Gelsenkirchen das Millionendefizit der Kommune noch erhöht, behauptet Beck: "Und so jemand will bei uns die Schuldenbremse vorantreiben". Und Klöckner-Berater und Attac-Mitglied Heiner Geißler habe Friedrich Merz 2009 noch vorgeworfen, ein Neoliberaler zu sein. Jetzt sollten beide einträchtig die Spitzenkandidatin beraten. Das werde niemals gut gehen. Sowieso würden die beiden nach der Wahl ja nicht im Land bleiben.

Dann lobt sich Beck noch selbst für seine geglückte Vermittlung im Hartz-IV-Streit und er hat dabei auch ein paar scharfe Worte für seinen langjährigen Koalitionspartner FDP übrig. Deren "ideologische Verklemmung" in der Frage von Mindestlöhnen in bestimmten Branchen sei nicht zu überbieten. Offensichtlich sind die Gräben zwischen den Liberalen und der SPD größer geworden im einstigen Stammland sozialliberaler Koalitionen. FDP-Spitzenkandidat Herbert Mertin, dessen Partei in Umfragen im Moment ein klein wenig aufgeholt hat und bei knapp sieben Prozent liegt, schießt im Moment gerne gegen Kurts Becks Versagen am Nürburgring.

Apropos Nürburgring. Es solle ja nicht heißen, er werde diesen "schweren Fehler" totschweigen, kokettiert Beck. Mehr als 300 Millionen Euro an Steuergeldern investierte seine Regierung in den überdimensionierten und nun oft sehr menschenleeren Freizeitpark in der Eifel. Zwei von der Landesregierung beauftragte Privatunternehmer führen inzwischen das Projekt – einer von ihnen gilt vielen allerdings als ziemlich windiger Geschäftsmann. Der Ministerpräsident meint dennoch, seine Regierung habe alles "in Ordnung gebracht". Schließlich sei der langjährige Finanzminister 2009 zurückgetreten.