Eine sofortige und vollständige Umsetzung der Bundeswehrreform, so wie sie Karl-Theodor zu Guttenberg konzipiert hat, ist vom neuen Verteidigungsminister nicht zu erwarten. Nach Angaben des stellvertretenden Ministeriumssprechers Christian Dienst behalte sich Ressortchef Thomas de Maizière "bestimmte Streckungen, Kürzungen oder leichte Richtungsänderungen" vor.

In seinem ersten Tagesbefehl an die Soldaten und zivilen Mitarbeiter der Bundeswehr bekannte sich der CDU-Politiker dennoch zu einer Fortführung der Bundeswehrreform. Den von seinem CSU-Vorgänger begonnenen Umbau werde er "konsequent fortsetzen", heißt es in dem Schreiben. Allerdings würden die nächsten Entscheidungen erst nach einer "gründlichen Lagefeststellung" getroffen. "Ich weiß um die Dringlichkeit" schreibt de Maizière. "Dennoch: Ich nehme mir die Zeit, die ich brauche."

Mögliche Änderungen am Reformkonzept wurden auch durch eine erste Personalentscheidung des neuen Verteidigungsministers angekündigt: Während die Parlamentarischen Staatssekretäre Christian Schmidt (CSU) und Thomas Kossendey (CDU) im Amt bleiben, trennte sich de Maizière nach einem persönlichen Gespräch von Walter Otremba, dem Architekten von Guttenbergs zweiter Reformphase.

Dabei geht es vor allem um den Umbau des Ministeriums und die Straffung der Führungsstrukturen, die der Staatssekretär Otremba ausgearbeitet hatte. Dieses Konzept wollte Guttenberg eigentlich Anfang kommender Woche vorlegen. Sein Nachfolger hat sich davon nun offenbar distanziert.

Nach Angaben von Ministeriumssprecher Stefan Paris erfolge Otrembas Versetzung in den einstweiligen Ruhestand "ohne Angaben von Gründen". Zur Frage, ob es einen Zusammenhang mit der Bundeswehrreform gebe, sagte er lediglich: "Im übrigen gilt das, was der Minister in seinem heutigen Tagesbefehl erklärt hat." Über einen Nachfolger des Beamten werde "kurzfristig" entschieden.

Laut einer Koalitionsentscheidung aus dem vergangenen Dezember soll die Bundeswehr von derzeit 235.000 auf bis zu 185.000 Soldaten verkleinert werden. Bis Mitte des Jahres soll entschieden werden, welche Standorte geschlossen werden sollen. Dieser Zeitplan wird den Ministeriumssprechern zufolge auch nicht in Frage gestellt, genauso wenig wie das Aussetzen der Wehrpflicht zum 1. Juli. Ansonsten aber seien Änderungen möglich, der Minister will gründlich prüfen.