Die Bundeswehr muss sich offenbar auf erhebliche Personallücken einstellen: Nach dem Aussetzen der Wehrpflicht bleibt die Zahl der Freiwilligen sowohl kurz- als auch mittelfristig drastisch hinter dem eigentlich geplanten Bedarf zurück. Das berichtete die Financial Times Deutschland unter Berufung auf Statistiken des Verteidigungsministeriums.

Demnach entspricht die bisherige Zahl der Freiwilligen für den Einberufungstermin im April nur zehn Prozent des Solls. Bis Anfang Februar hatten sich lediglich 306 Interessenten gemeldet, die nach altem Muster freiwillig länger dienen möchten. Gebraucht würden aber den Planungen zufolge 3077 Personen. Gemindert werde die Lücke nur durch eine niedrige dreistellige Zahl von bereits gemusterten Wehrpflichtigen, die trotz des Aussetzens der Wehrpflicht auf Antrag einen sechsmonatigen Dienst leisten wollen.

Auch für den neuen Freiwilligendienst, der am 1. Juli beginnen soll, zeichnet sich dem Bericht zufolge ein geringes Interesse ab. Laut Ministeriumsstatistik wurden mehr als 162.000 bereits als tauglich Gemusterte sowie Abiturienten und Fachoberschüler des Abschlussjahrgangs 2011 angeschrieben. Nur 4011 von ihnen hätten geantwortet und "konkretes Interesse" bekundet.

Man sei mit dem bisherigen Interesse "noch nicht zufrieden", kommentierte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums die Zahlen. Zugleich wandte er sich gegen voreilige Schlüsse. Ziel sei es, künftig 12.000 Freiwillige pro Jahr zu rekrutieren. "Daran müssen wir uns messen lassen." Der Sprecher verwies auf eine ab März geplante Werbekampagne und ein umfassendes Programm, mit dem der Dienst in der Bundeswehr attraktiver gestaltet werden soll.