Die Springer-Medien stärkten dem strauchelnden – und inzwischen zurückgetretenen – Verteidigungsminister in der Plagiatsaffäre den Rücken, das Ministerium bedankt sich mit einer hochdotierten Werbekampagne – so sehen Kritiker die Werbeaktion der Bundeswehr. Die plant eine große Werbekampagne für den Truppendienst, die ab März in den Zeitungen Bild und Bild am Sonntag sowie der Online-Ausgabe von Bild laufen soll.

Das rief die Konkurrenz auf den Plan. Für die tageszeitung ist die Werbeaktion "eine strafbare Vorteilsannahme" nach §331 Strafgesetzbuch: Die Medien des Springer-Konzerns betrieben "seit Wochen eine Kampagne" zu Gunsten des bisherigen Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg, sagte taz-Anwalt Johannes Eisenberg. Dadurch hätten sie Guttenberg einen Vorteil gewährt. Zudem argumentiert Eisenberg, der Staat unterliege dem Diskriminierungsverbot im Bereich der Medien – er dürfe also nicht ein Medium bevorzugt behandeln.

Die taz hatte dem Ministerium darum ein Unterlassungsbegehren mit der Aufforderung geschickt, die Werbung bei Springer zu unterlassen. Weil das Ministerium laut taz zunächst eine Frist zur Stellungnahme verstreichen ließ, erwog die Zeitung eine Klage.

Die Bundeswehr hatte sich zunächst nicht zu den Vorwürfen geäußert, nun erklärte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums, man wolle an der Werbekampagne festhalten. Die Vorwürfe der tageszeitung wegen der Einbindung von Springer-Medien entbehrten jeder Grundlage.

In einer Erklärung des Verteidigungsministeriums hieß es, die Bundeswehr folge den Empfehlungen der mit der Kampagne beauftragten Agentur ZenithMedia, "die diese Werbeträger unter anderem aufgrund der Reichweite und der Zielgruppenanalyse vorgeschlagen hat". Von den insgesamt 4,8 Millionen Euro, die für die Werbekampagne für eine Mannschaftslaufbahn bei der Bundeswehr zur Verfügung stehen, entfielen 12,5 Prozent, also rund 600.000 Euro, auf Bild, Bild am Sonntag und bild online.

Die geplante Werbeaktion war auch von der SPD kritisiert worden. "Es riecht nach Kumpanei zwischen Guttenberg und dem Springer-Verlag, wenn ausgerechnet der größte öffentliche Fürsprecher des Ministers in der Plagiatsaffäre einen lukrativen Werbeauftrag des Verteidigungsministeriums bekommt", sagte etwa der SPD-Politiker Sebastian Edathy.

Hintergrund der Kampagne ist die Aussetzung der Wehrpflicht im Zuge der Bundeswehrreform und die damit verbundene Sorge, dass es beim Umbau der Bundeswehr in eine Freiwilligenarmee Probleme bei der Nachwuchsgewinnung geben könnte. Intern sollen die Militärplaner bereits davor gewarnt haben, dass infolge des demografischen Wandels und der Konkurrenz um Fachkräfte die Einsatzbereitschaft der Truppe in Gefahr geraten könnte.