"Heute müssen wir ein Stück weit improvisieren", sagt CDU-Landesgeneralsekretär Josef Rosenbauer zur Partei-Basis im Kurhaus Bad Kreuznach. Es ist ein sonniger Samstagnachmittag in der Kreisstadt im Nahetal, viele der Zuschauer im Saal warten aufgeregt auf die Kanzlerin. Die hat sich angekündigt, um ihre Duz-Freundin Julia Klöckner beim Einleiten der heißen Wahlkampf-Phase zu unterstützen.

In zwei Wochen will Klöckner den rheinland-pfälzischen Amtsveteran und Alleinregierer Kurt Beck (SPD) ablösen. Der heutige Auftritt sollte ein fröhliches Heimspiel werden für "Julia", wie sie alle hier nennen. Die Winzertochter ist in der Region zu Hause, wohnt in Bad Kreuznach. Sie kennt viele Leute, ist beliebt. Doch das Heimspiel ist nicht mehr fröhlich. In Japan hat es eine Katastrophe gegeben.

Die Kleinstadtidylle Bad Kreuznachs, die schick gemachten CDU-Mitglieder, die orangenen CDU-Luftballons, all das verdrängt für einen Moment die Geschehnisse. Doch dann kommt die Wirklichkeit zurück: Angela Merkel müsse heute schnell zurück zum Krisentreffen nach Berlin , sagt Generalsekretär Rosenbauer mit ernster Stimme. Daher müsse jetzt das Programm umgestellt werden.

Nichts ist an diesem Tag in Ordnung bei der CDU. Die Spitzenkandidatin und die Kanzlerin haben sich verspätet. Rosenbauer lässt das Publikum mehrmals für den Einzug der Stargäste anklatschen, doch das Klatschen geht ins Leere. Falschinformation von draußen,  es wird peinlich still. Der Generalsekretär bleibt gut gelaunt, freundlich. Er tut sein bestes, aber es hilft nicht. Als Merkel und Klöckner nach den vielen fehlgeschlagenen Begrüßungsversuchen endlich in den Saal laufen, ist der mit dem feierlichen Einzug angestrebte Moment verflogen.

Die Kanzlerin ist dunkel gekleidet, sie geht ans Rednerpult. "Merkel muss Stellung nehmen zu den verlängerten Atomlaufzeiten", haben einige CDU-Mitglieder vor der Veranstaltung gemurmelt. Doch Angela Merkel schweigt zu diesem Thema. Sie redet zwar von der "unglaublichen Naturkatastrophe" in Japan und davon, dass die Menschen "Demut vor der Natur" haben müssten. So vieles hänge davon ab, "dass uns die Natur nicht so hart mitspielt."

Merkel ruft das Publikum zu einer Schweigeminute für die Opfer der Katastrophe auf, sie wirkt ehrlich betroffen. Aber sie bringt es nicht übers Herz, etwas zur umstrittenen Atompolitik der Bundesregierung zu sagen. Und als die Regierungschefin davon spricht, dass "wir in einer Welt leben, in der alles mit allem ganz eng zusammenhängt", da ist sie schon bei der Wirtschafts- und Finanzkrise und dem vorbereiteten Teil ihrer Rede angelangt.

Die unvermeidliche Diskussion um die Atompolitik der schwarz-gelben Bundesregierung könnte Julia Klöckner wichtige Wählerstimmen kosten. Zuletzt lag sie in den Umfragen nur wenige Prozentpunkte hinter Amtsinhaber Kurt Beck. Zwar war die rheinland-pfälzische FDP bisher zu schwach für eine schwarz-gelbe Koalition auf Landesebene. Aber Klöckner hoffte dennoch auf das Ministerpräsidentenamt. Zuletzt bescheinigten Umfragen Rot-Grün keine sichere Mehrheit mehr.