Jene, die den bisherigen Innenminister Thomas de Maizière (CDU) für seine Besonnenheit lobten, könnten bald ein neues Feindbild haben. Hans-Peter Friedrich ist verglichen mit seinem Amtsvorgänger ein Hardliner. Ob Einwanderung, Überwachung oder Bürgerbeteiligung – der CSU-Mann vertritt bei all diesen Themen die Haltung seiner Partei .

Vor allem das Bundeskriminalamt wird es freuen, dass Friedrich sein neuer Chef wird. Er steht für alles, was die Polizisten dort sich derzeit wünschen: keine Verschmelzung mit der Bundespolizei, Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung und endlich Einsatz der umstrittenen Netzsperren.

Bei den Protesten in Gorleben sagte er beispielsweise, eine weitergehende Beteiligung der Bürger an der Endlagersuche bringe nichts. Er habe den Eindruck, Bürger seien schon genug daran beteiligt worden . Die Anwohner Gorlebens im Übrigen seien ja sowieso aus Prinzip dagegen. Außerdem müsse unterschieden werden zwischen Bürgern, die Dialog suchten und Protestierern, die von ihrer vorgefassten Meinung nicht abließen.

Auch bei den Protesten gegen das Projekt Stuttgart 21 war er vor allem dadurch aufgefallen, dass er diejenigen, die dort protestierten, als "Zukunftsverweigerer" tituliert hatte, die nur Angst vor Neuem hätten. Auch das war letztlich die Linie seiner Partei, die sich mit unerwarteten Protesten konfrontiert sah und diesen den legitimen Anspruch zu entziehen suchte. Doch ist diese Haltung kein Vergleich zu einem Innenminister de Maizière, der in der Vergangenheit den Dialog mit Bürgern auch und vor allem über das Internet gesucht hatte und bewusst versuchte, viele Meinungen einzubeziehen.

Überhaupt, das Internet. Für Friedrich ist es vor allem ein Hort der Gewalt, an dem Kriminalität existiere, "die mit den bisherigen Möglichkeiten gar nicht mehr bekämpfbar ist", wie er nach einer Tagung im Januar in Wildbad Kreuth sagte . Sein Vorgänger äußerte sich in diesem Punkt vorsichtiger und es ist gut möglich, dass Friedrich eine Wiederkehr Wolfgang Schäubles ist, der vehement für mehr Überwachung eintrat.

Teile der Union dürfte Friedrichs Ernennung daher freuen, galt ihnen de Maizière doch als viel zu weich, vor allem im Umgang mit den Themen Innere Sicherheit und Terrorismus. Diesen Vorwurf wird man Friedrich bestimmt nicht machen können. Zwar gilt er in der Ahnenreihe der recht lauten CSU-Landesgruppenchefs als ein Leiser. Die CSU-Ansichten aber vertritt er ohne Zögern. Gut möglich, dass er im Gegensatz zu de Maizière nun auch den Konflikt mit dem Regierungspartner FDP suchen wird. Und den mit dem Internet.

Er fordert beispielsweise seit längerer Zeit die Vorratsdatenspeicherung als notwendiges, ja unverzichtbares Instrument "im Kampf gegen Kriminelle und Terroristen". Jeder Widerstand beispielsweise der FDP-Justizministerin aufgrund von Verfassungsbedenken ist ihm "unverständlich".

Auch die Telefonüberwachung würde Friedrich gern ausbauen, verschlüsselte Telefongespräche seien eine "gefährliche Lücke", die dringend geschlossen werden müsse. Sollte er damit Dienste wie Skype meinen, die Inhalte verschlüsselt durch das Netz leiten, impliziert das dann auch den sogenannten Bundestrojaner. Denn vor allem mit solchen Methoden – der Verwanzung des betreffenden Rechners –, ist es möglich, die Verschlüsselung zu umgehen.

Genauso ist Friedrich für den schnellen Aufbau der sogenannten Visa-Warndatei . Samt der umstrittenen Erfassung von "Einladern", jenen also, auf deren Einladung hin jemand nach Deutschland reiste.