Zurzeit sind die rheinland-pfälzischen Grünen nicht im Landtag. Die Spitzenkandidaten Daniel Köbler und Eveline Lemke wollen dies am 27. März ändern. ZEIT ONLINE hat beide in Mainz getroffen.

ZEIT ONLINE: Die Atomkrise in Japan ist auch ein Thema im rheinland-pfälzischen Landtagswahlkampf . CDU-Spitzenkandidatin Julia Klöckner stimmte einst für die Laufzeitverlängerung, jetzt will sie Atomkraftwerke jenseits der Landesgrenzen abschalten. Was sagen Sie als Grüne dazu?

Eveline Lemke: Diese Wahlkampftaktik ist ungehörig und frech, sie macht mich sehr wütend. Julia Klöckners Reaktion ist mehr als unglaubwürdig. Wir als Grüne kämpfen seit Jahren gegen das französische Atomkraftwerk Cattenom nur wenige Kilometer von hier. Bislang wurden wir von der CDU dafür belächelt.

ZEIT ONLINE: Inwieweit wird die Diskussion um Reaktorsicherheit den Wahlausgang beeinflussen?

Lemke: Aktuelle Umfragen zeigen, dass Atompolitik derzeit das wichtigste und wahlentscheidende Thema ist. An unseren Wahlkampfständen bekommen wir viel Zuspruch für unsere Anti-Atom-Politik.

ZEIT ONLINE: Die Grünen lagen in Umfragen zuletzt bei 13 Prozent , Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) wird dieses Mal einen Koalitionspartner brauchen und umwirbt Sie schon heftig. Sind die Grünen bereit, Kellner bei Koch Kurt Beck zu sein?

Daniel Köbler: Wir haben die besten Zukunftsrezepte für das Land. Und die Rezepte schreibt nicht der Kellner. Kurt Beck muss wissen, uns gibt es nur auf Augenhöhe und im Original. Wir werden für eine klare Energiewende und eine nachhaltige und ökologische Wirtschafts- und Infrastrukturpolitik im Land eintreten.

ZEIT ONLINE: Würden Sie auch mit der CDU zusammengehen?

Lemke: Wir brauchen einen Vertragspartner, auf den wir uns verlassen können. Und da habe ich bei dem Kursschwenk in der Atomfrage große Zweifel. Auch bei den Themen Integration und Schulpolitik liegen wir weit auseinander.

ZEIT ONLINE: Ist das also eine klare Absage an Julia Klöckner?

Lemke: Zu 100 Prozent ausschließen wollen wir nichts. Am liebsten würden wir mit der SPD koalieren, weil dort die Schnittmengen am größten sind.

ZEIT ONLINE : Die Grünen in Rheinland-Pfalz galten als zerstrittener und chaotischer Haufen, als sie 2006 aus dem Landtag flogen. Warum sollten die Rheinland-Pfälzer Ihnen jetzt das Regieren zutrauen?

Köbler: Wir haben uns personell neu aufgestellt und unsere Inhalte in vielen fruchtbaren Diskussionen mit der Basis neu definiert. Unser Wahlprogramm wurde von unseren Delegierten zu hundert Prozent befürwortet. Die Bürger merken außerdem, dass wir auf kommunaler Ebene Politik erfolgreich gestalten. So haben wir Grünen das Kohlekraftwerk in Mainz verhindert. Die SPD darf man im Land zudem nicht alleine regieren lassen. Denn im Moment produziert die nur Filz und Skandale.