Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hält ein Comeback des zurückgetretenen Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) für möglich. "Die Türen zur Politik sind ihm aus meiner Sicht nicht verschlossen", sagte die Kanzlerin den Stuttgarter Nachrichten. Sie bleibe auch bei der Auffassung, "dass er weiter ein guter Minister hätte sein können."

Zugleich wies Merkel Vorwürfe zurück, in der Affäre selbst Fehler gemacht zu haben. "Ich habe abgewogen zwischen Fehlern und Leistungen, und bin zu dem Ergebnis gekommen, dass Karl-Theodor zu Guttenberg, der ein hochbegabter Politiker ist, sich als Verteidigungsminister bewährt hatte", sagte die Kanzlerin. "Mir ging es um die zentrale Frage, ob seine unbestreitbaren Fehler, derentwegen ihm der Doktortitel aberkannt wurde, seine weitere Amtsausübung negativ beeinflussen oder sie gar unmöglich machen würde." Guttenbergs Dissertation sei jedoch Teil eines früheren, von seiner Ministertätigkeit völlig getrennten Lebensabschnitts gewesen.

Fast drei Viertel der Deutschen wünschen sich einer Umfrage zufolge ein Comeback Guttenbergs. Nach einer vom Focus vorab veröffentlichten Umfrage von TNS Emnid wünschen sich 71 Prozent eine Rückkehr des CSU-Politikers, nur 25 Prozent sind dagegen. Befragt wurden 501 repräsentativ ausgewählte Menschen

Der frühere CSU-Generalsekretär Thomas Goppel griff die CDU wegen mangelnder Unterstützung für Guttenberg an. Es sei "schäbig", sich auf Kosten eines politischen Freundes profilieren zu wollen, sagte er. Der Unions-Familiengedanke werde von "den führenden Figuren" nicht mehr praktiziert.

Die CSU-Europaabgeordnete Monika Hohlmeier warf der CDU vor, sie säe Misstrauen zwischen den Unions-Parteien. Die Tochter von Franz Josef Strauß ging dabei auch auf die Äußerung der Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) ein, die gesagt hatte, sie halte Guttenbergs Vorgehen bei der Doktorarbeit nicht für eine Lappalie und schäme sich als Wissenschaftlerin "nicht nur heimlich". Hohlmeier sagte, sie glaube zwar nicht, dass Schavan im direkten Auftrag von Angela Merkel gesprochen habe. Dass sie sich völlig wider den Willen der Kanzlerin geäußert habe, könne sie sich aber nicht vorstellen.

Zuvor hatte bereits CSU-Parteichef Horst Seehofer Schavan und Bundestagspräsident Norbert Lammert vorgeworfen, Guttenberg in den Rücken gefallen zu sein. 

Nach seinem Verzicht auf alle politischen Ämter steht Guttenberg vor einem Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Hof. Er soll für seine Doktorarbeit zum großen Teil Texte anderer Autoren kopiert haben, ohne dies auszuweisen.