Mehrere Unionspolitiker haben sich nach dem Rücktritt von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg für ein baldiges Comeback des CSU-Politikers ausgesprochen. "So viele talentierte Politiker hat die politische Klasse in Deutschland nicht, als dass man auf Guttenberg verzichten könnte", sagte der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Hans-Peter Uhl.

Er hoffe, dass Guttenberg der Union als Politiker erhalten bleibe und baldmöglichst wieder politisch arbeite. Schließlich gebe es Fälle, in denen bei Politikern sehr viel mehr kriminelle Energie vorhanden gewesen sei, als bei Guttenberg, die jedoch auch zurückgekehrt seien, sagte der CSU-Politiker.

Auch aus der CDU kam dieser Wunsch. "In einer offenen Gesellschaft hat jeder eine zweite Chance verdient", sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der Unions-Fraktion im Bundestag, Joachim Pfeiffer (CDU), Handelsblatt Online. Guttenberg habe in kurzer Zeit zwei Ministerien überaus erfolgreich geführt und dabei große Verdienste erreicht.

Der Generalsekretär der CDU in Baden-Württemberg, Thomas Strobl, sagte, Guttenberg bleibe im Landtagswahlkampf "willkommen, und er ist uns auch in Zukunft sehr herzlich willkommen in Baden-Württemberg". Der Südwesten wählt Ende März den Landtag neu.

Guttenberg hatte am Dienstag wegen der Plagiatsaffäre seinen Verzicht auf alle politischen Ämter bekannt gegeben. Er soll dem Bundestag auch bereits angezeigt haben, dass er sein Abgeordnetenmandat niederlegt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen möglicher Urheberrechtsverletzungen.

Vertreter der Opposition hatten auf den Rücktritt unter anderem mit der Einschätzung reagiert, Guttenbergs Rückzug beschädige die Glaubwürdigkeit von Bundeskanzlerin Angela Merkel, weil die ihn bis zuletzt verteidigte. Die CDU-Politikerin, die den Rücktritt bedauerte, warf ihren Kritikern während eines Wahlkampfauftrittes in Karlsruhe "Scheinheiligkeit" vor: Der Opposition gehe es nicht um den Erhalt der wissenschaftlichen Werte, sondern vor allem um die Schwächung der Union.

Nach Einschätzung des Parteienforschers Gerd Langguth dürfte der scheidende Minister gestärkt aus der Plagiatsaffäre hervorgehen. Er könnte sich damit zu einem ernsthaften Konkurrenten für CSU-Chef Horst Seehofer entwickeln. "Sein Rücktritt ermöglicht ihm ein Comeback", sagte Langguth. Indem er der Bevölkerung Anteil an seiner politischen und menschlichen Erschöpfung gab, gewinne Guttenberg neue Sympathie.

Ein Comeback Guttenbergs als CSU-Chef oder bayerischer Ministerpräsident sei nicht unwahrscheinlich, sagte Langguth. Er brauche irgendwann ein neues, ihm eigene Autorität verleihendes Amt. "Zunächst ist aber ein Bußgang angesagt, dem sicherlich ein Hochamt folgen wird."

Wer Guttenberg an der Spitze des Verteidigungsministeriums folgt, will die Koalition noch diese Woche regeln. Als Kandidaten gelten unter anderen Innenminister Thomas de Maizière (CDU), CSU-Landesgruppenchef Hans-Peter Friedrich, der parlamentarische Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe, Stefan Müller, und die CSU-Staatssekretäre Christian Schmidt und Hartmut Koschyk.

Guttenberg war 2009 als Wirtschaftsminister der Großen Koalition ins Bundeskabinett gekommen. Später wechselte er ins Verteidigungsressort. Denn sein Vorgänger Franz Josef Jung (CDU) hatte wegen seiner Informationspolitik über den – von Deutschen mit verursachten – Tod von afghanischen Zivilisten zurücktreten müssen.