Der Rücktritt ihres Verteidigungsministes kam auch für die Kanzlerin überraschend: Dies machte Angela Merkel in einer kurzen Stellungnahme deutlich und fügte hinzu, sie habe die Entscheidung von Karl-Theodor zu Guttenberg "schweren Herzens angenommen". Zugleich sagte die CDU-Vorsitzende, die von ihrem CSU-Kollegen begonnene Bundeswehrreform werde "mit aller Entschlossenheit" weiter umgesetzt.

Merkel bezeichnete Guttenberg als eine "herausragende politische Begabung", der sein Ministeramt mit "Leidenschaft", "Tatkraft" und "Entschlossenheit" ausgefüllt habe. "Ich bedaure seinen Rücktritt sehr, aber ich habe auch Verständnis für seine persönliche Entscheidung." Zugleich deutete die Kanzlerin aber auch die Möglichkeit an, dass Guttenberg weiter politisch aktiv sein könne. Sie habe sicher nicht das letzte Gespräch mit ihm geführt, sagte die CDU-Vorsitzende. Sie sei überzeugt davon, dass sie mit ihm auch in Zukunft in irgendeiner Form zusammenarbeiten könne.

Bei einem späteren Wahlkampfauftritt in Karlsruhe bescheinigte die Bundeskanzlerin den Gegnern von Guttenberg Scheinheiligkeit. "Soviel Scheinheiligkeit und Verlogenheit war selten in Deutschland." Der Opposition gehe es nicht um den Erhalt der wissenschaftlichen Werte, sondern vor allem um die Schwächung der Union. "Wir müssen uns von niemandem erklären lassen, was Anstand und Ehre in unserer Gesellschaft sind."

CSU-Chef Horst Seehofer hatte sich zuvor ähnlich geäußert. Er werde "persönlich alles dafür tun, damit Guttenberg der deutschen Politik und auch der Christlich-Sozialen Union erhalten bleibt". In diesem Zusammenhang werde noch darüber zu reden sein, wie Guttenbergs angekündigter Rückzug "von allen politischen Ämtern" zu definieren sei. "Ich bin – wie die ganze CSU – sehr betroffen und erschüttert", fügte der bayerische Ministerpräsident hinzu.

So wie ihre Vorsitzenden äußerten weitere Unionspolitiker Bedauern ob des Rücktritts und zollten Guttenberg Respekt. CDU-Generalsekretär Herrmann Gröhe rief zudem die Kritiker zur Ordnung: Die Opposition solle den Rücktritt anerkennen und zur Sachlichkeit zurückkehren. Andere Unionsvertreter beklagten einen "großen Verlust" angesichts der "Meisterleistung", die Guttenberg mit der Kommunikation der Bundeswehrreform in der Bevölkerung erbracht habe. CSU-Landtagsfraktionschef Georg Schmid lobte, sein Parteifreund habe dazu beigetragen, dass man Menschen wieder für Politik begeistern könne.

Vergleichsweise kühl fiel die Reaktion von Vizekanzler und Außenminister Guido Westerwelle aus. Der Rücktritt sei eine "Entscheidung der Konsequenz", sagte der FDP-Vorsitzende und ergänzte, er danke Guttenberg für seine Arbeit – etwa den Umbau der Bundeswehr in eine Freiwilligenarmee. Für Westerwelles Partei- und Kabinettskollegin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger ist der Rücktritt nachvollziehbar. "Aufgrund der sich gegen ihn verfestigenden Vorwürfe im Zusammenhang mit der Erstellung seiner Doktorarbeit war diese Entscheidung nur folgerichtig", sagte die Bundesjustizministerin.

Dies sieht auch die Opposition so – wenn auch mit deutlich mehr Genugtuung. Der Fraktionsgeschäftsführer der SPD, Thomas Oppermann bezeichnete den Schritt als "längst überfällig und unausweichlich". Karl-Theodor zu Guttenberg habe endlich die Konsequenzen gezogen. "Als Trickser und Betrüger kann man nicht Minister sein", ergänzte sein Fraktionskollege, der Verteidigungspolitiker Rainer Arnold. 

Vertreter der Grünen-Spitze sagten, Guttenberg ziehe mit zweiwöchiger Verspätung die Konsequenz "aus seinen Täuschungsmanövern". Parteichefin Claudia Roth kritisierte, Guttenbergs Versuch, Medien und Öffentlichkeit für den Rücktritt in Haftung zu nehmen, sei unredlich. Auch sei es unanständig, dass er die Entrüstung über seine Doktorarbeit gegen die Soldaten in Afghanistan ausspiele.

Guttenberg hatte vom "schmerzlichsten Schritt seines Lebens gesprochen" und seinen Rücktritt von allen politischen Ämtern unter anderem damit begründet, dass es nicht zu verantworten sei, dass es auf dem Rücken der Soldaten immer nur um seine Person gehe. 

Mit Guttenbergs Rückzug ist die Sache für SPD und Grüne nicht erledigt: Die Opposition nimmt nun Regierungschefin Merkel ins Visier: "Für die Kanzlerin kommt dieser Rücktritt zu spät", sagte Oppermann. Sie habe sich "kräftig blamiert, ihre Glaubwürdigkeit ist beschädigt". Und sie habe dem Ruf der Politik Schaden zugefügt. Die Grünen sagten, die Angelegenheit werde "zu einer Riesenblamage für die Kanzlerin, die bis zuletzt geglaubt hat, sich durch diese peinliche Affäre lavieren zu können". Sie habe den politischen Institutionen geschadet und einen Werteverfall befördert.

Guttenbergs potenzielle Nachfolger:

Nun ist die Frage nach einem Nachfolger zu klären. Die Entscheidung über einen neuen Verteidigungsminister wird aber erst Ende der Woche fallen. Bis dahin bleibt Guttenberg geschäftsführend im Amt. Am kommenden Freitagnachmittag dann trifft sich das CSU-Präsidium. "Und dann werden wir weitere Debatten führen und möglicherweise Entscheidungen treffen", sagte Seehofer und deutete an, dass der Nachfolger Guttenbergs nicht aus den Reihen des bayerischen Kabinetts kommen werde.

Aus Kreisen der Unionsfraktion war zu hören, dass Innenminister Thomas de Maiziére (CDU) eine Option sei. Er könne die Reform umsetzen, habe das Vertrauen in der Bevölkerung und könne diese "heikle Kiste bis zur nächsten Bundestagswahl" durchbringen. Aber auch Unions-Fraktionschef Volker Kauder und der Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Christian Schmidt (CSU) sind im Gespräch. Der CSU-Politiker und Verkehrsminister Peter Ramsauer sagte bereits ab: "Das mute ich meiner Familie nicht zu."