Der zurückgetretene Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat schon seit vergangener Woche befürchtet, dass seine Immunität aufgehoben und staatsanwaltschaftliche Ermittlungen eingeleitet werden könnten. Dies berichtet Welt Online unter Berufung auf Berliner Regierungskreise. Demnach soll es dem CSU-Politiker klar gewesen sein, dass an strafrechtlichen Ermittlungen in der  Plagiatsaffäre kein Weg mehr vorbeiführe.

Wie das Nachrichtenportal weiter berichtet, gab es bereits in der vergangenen Woche intensiven Kontakt zwischen dem Verteidigungsminister und den Staatsanwälten. Allerdings könne Guttenberg darauf hoffen, dass sich der Anfangsverdacht als unbegründet erweise. Der Immunitätsausschuss des Bundestages habe sich mit der Sache noch nicht befasst.

Die Staatsanwaltschaft Hof, die in dem Fall aufgrund einer Strafanzeige wegen möglicher Urheberrechtsverletzungen ermittelt, wollte sich zu Kontakten Guttenbergs mit der Behörde ebenso wenig äußern wie zum möglichen Vorwurf der Untreue. Die Vorwürfe würden geprüft, sagte Behördensprecher Reiner Laib. Allerdings erfolge dies erst, wenn die Kommission der Universität Bayreuth ihre Nachforschungen abgeschlossen habe. Wann dies geschehe, sei weiterhin unklar.

Fest steht allerdings, dass die Uni prüfen wird, ob Guttenberg in seiner Doktorarbeit möglicherweise vorsätzlich getäuscht hat. Der Rücktritt habe nichts daran geändert, dass die entsprechenden Prüfungen der Kommission zur Selbstkontrolle in der Wissenschaft an seiner Hochschule "unabdingbar" blieben, sagte Universitätspräsident Rüdiger Bormann. Dabei setze man darauf, dass Guttenberg seine Ankündigung, er wolle sich an der Aufklärung der Vorwürfe beteiligen, nunmehr in die Tat umsetze.

Diese Prüfung kann sich über mehrere Monate hinziehen. Zuvor hatte die Universität per Schnellverfahren ihrem früheren Doktoranden den Doktortitel im Fach Jura aberkannt. Zuvor hatte der CSU-Politiker selbst darum gebeten, nachdem die Vorwürfe aufgekommen waren, weite Teile seiner Dissertation seien von anderen Autoren abgeschrieben.

Entsprechende Belege wurden auf der Internetseite GuttenPlag Wiki gesammelt. Bis zum Dienstag waren nach Angaben der Seite bereits auf 300 Seiten der Dissertation solche Plagiate gefunden worden; dies macht den Angaben zufolge mehr als ein Dreiviertel (76,34 Prozent) der Arbeit aus. Der Wiki-Betreiber – ein Doktorand, der anonym bleiben will – zeigte sich enttäuscht, dass Guttenberg "keine klaren Worte" zur "offensichtlichen Täuschungsabsicht und zur Urheberschaft" seiner Dissertation gefunden habe. Daher sei zu bezweifeln, dass Guttenberg an der Aufklärung der Vorwürfe mitwirken wolle.