Nach Angaben der Bundestagsverwaltung hat Karl-Theodor zu Guttenberg in einem Brief an Bundestagspräsident Norbert Lammert mitgeteilt, dass er mit sofortiger Wirkung auf sein Abgeordnetenmandat verzichtet. Seit der Ankündigung Guttenbergs, alle politischen Ämter niederzulegen, war spekuliert worden, ob dazu auch das Bundestagsmandat gehört.

Am Vormittag erhielt Guttenberg von Bundespräsident Christian Wulff im Schloss Bellevue seine Entlassungsurkunde als Verteidigungsminister. Wulff dankte Guttenberg für seinen "überaus engagierten Einsatz für unser Land". Anschließend erhielt Guttenbergs Nachfolger, der bisherige Innenminister Thomas de Maizière, seine Ernennungsurkunde. Auch der bisherige CSU-Landesgruppenchef Hans-Peter Friedrich wurde offiziell in sein Amt als neuer Innenminister eingeführt.

Mit dem Mandatsverzicht verliert die schwarz-gelbe Koalition einen Sitz im Bundestag, da es für Guttenberg keinen Nachrücker geben wird. Grund ist, dass seine Partei dort bislang über drei Überhangmandate verfügte, die beim Ausscheiden des Mandatsinhabers nicht neu besetzt werden. Union und FDP haben nach Guttenbergs Rückzug aus dem Parlament aber immer noch eine klare Mehrheit von nunmehr 331 der 621 Stimmen.

Derweil warf der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer Lammert und Bundesbildungsministerin Annette Schavan in der Bild-Zeitung vor, Guttenberg in den Rücken gefallen zu sein. "Die Äußerungen von Frau Schavan und Herrn Lammert waren nicht in Ordnung."

Der bayerische Ministerpräsident bezog sich auf ein nicht dementiertes Zitat Lammerts, der darin die Plagiatsaffäre als "Sargnagel" für das Vertrauen in die Demokratie bezeichnet hat. Schavan hatte in einem Interview gesagt, sie schäme sich als Wissenschaftlerin "nicht nur heimlich". Seehofer sagte: "Das war nicht solidarisch. Zum Selbstverständnis der Union sollte gehören, dass man den eigenen Leuten beisteht, ihnen nicht öffentlich in den Rücken fällt." Darüber werde noch zu reden sein – "ich habe mir das auf Wiedervorlage gelegt".