Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich mit den Ministerpräsidenten jener Bundesländer mit AKW-Standort darauf verständigt, dass die sieben vor 1980 gebauten Atomkraftwerke vorübergehend abgeschaltet werden. "Vorübergehend" bezieht sich dabei auf die drei Monate, in denen die Laufzeitverlängerung ausgesetzt wird. Die vom Netz gehenden, aber auch die anderen Anlagen sollen nun auf ihre Sicherheit überprüft werden.

Eine Sonderrolle nimmt dabei das AKW Krümmel in Schleswig-Holstein ein. Dieser Meiler ging zwar erst 1983 ans Netz, ist aber nach mehreren Pannen bereits seit Längerem abgeschaltet. Das soll so bleiben. In den kommenden drei Monaten werden in Deutschland nur noch neun Atomkraftwerke Strom liefern.

Merkel sagte, bei den Vorgängen in Japan handele es sich um "eine Zäsur in der Geschichte der technisierten Welt". Der Austritt von Radioaktivität infolge des Erdbebens und des Tsunami habe gezeigt, dass die "Auslegung des Kraftwerks auf die Naturgewalten nicht ausreichend war". Dies sei der Grund für die aktuellen Entscheidungen. 

Die vorübergehende Abschaltung betrifft neben Krümmel die AKW Neckarwestheim-1, Philippsburg-1 (Baden-Württemberg), Biblis A und B (Hessen), Isar-1 (München) und Unterweser (Niedersachsen). Alle deutschen Atommeiler zusammen lieferten zuletzt rund 23 Prozent des Stroms.

Der zweitälteste Meiler in Deutschland in Neckarwestheim, der unter der Verantwortung des baden-württembergischen Energiekonzerns EnBW steht, soll sogar dauerhaft vom Netz. "Das Atomkraftwerk Neckerwestheim-1 wird dauerhaft abgeschaltet und stillgelegt", sagte Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) im Stuttgarter Landtag. Dies habe ihm EnBW-Chef Hans-Peter Villis mitgeteilt. Dieser begründete das mit einer "aktuellen Anforderungsliste zu Nachrüstungen" des Umweltministeriums in Stuttgart. Diese Anforderungen führten dazu, "dass ein dauerhaft wirtschaftlicher Betrieb" des Atommeilers und damit sein Wiederanfahren "voraussichtlich nicht mehr darstellbar" seien.

Vor ähnlichen Maßnahmen sehen die anderen Energiekonzerne E.on, RWE und Vattenfall noch ab. Sie kündigten lediglich an, die Atommeiler, die von der Regelung betroffen sind, vorübergehend abzuschalten. "E.on wird den Leistungsbetrieb seines ältesten Kernkraftwerks Isar 1 für die Dauer des Moratoriums der Bundesregierung unterbrechen", teilte der Konzern mit. Der Energiekonzern RWE nimmt den ältesten deutschen Atommeiler Biblis A kurzfristig vom Netz. Der Meiler Biblis B steht bereits seit Ende Februar wegen einer Revision still.

Am kommenden Dienstag ist ein weiteres Treffen von Merkel mit den Ministerpräsidenten der Länder mit Atomkraftwerken geplant. Dort werde "sich entfalten, wie das Moratorium ausgestaltet wird", sagte die CDU-Chefin. Anschließend seien auch Gespräche in einem erweiterten Kreis geplant. Während des Moratoriums wolle sich die Regierung auch um die erneuerbaren Energien und die Endlagerung von Atommüll kümmern.