Es ist eine Zäsur: Zum ersten Mal wird ein Bundesland von einem grünen Ministerpräsidenten regiert werden. Grüne und SPD erreichten  bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg die Mehrheit und lösen die bisherige schwarz-gelbe Regierung von Ministerpräsident Stefan Mappus ab.

Die CDU musste laut dem vorläufigen amtlichen Endergebnis deutliche Verluste hinnehmen und erreichte 39 Prozent der Stimmen. Die Grünen konnten mit 24,2 Prozent ihr Wahlergebnis von 2006 mehr als verdoppeln. Die SPD verlor im Vergleich zur Wahl vor fünf Jahren und kam auf 23,1 Prozent. Es ist ihr schlechtestes Wahlergebnis in Baden-Württemberg. Die FDP schaffte mit 5,3 Prozent den Wiedereinzug in den baden-württembergischen Landtag knapp. Die Linke verpasste mit 2,8 Prozent den Einzug ins Parlament.

Die CDU kommt demnach im neuen baden-württembergischen Landtag auf 60 Sitze (bisher 69), die Grünen können 36 Abgeordnete ins Parlament schicken (bisher 17). Die SPD erhält 35 Sitze (bisher 38), die FDP 7 (bisher 15).

Lange Zeit war am Wahlabend unklar, ob Grün-Rot trotz der Mehrheit der Stimmen auch die Mehrheit der Sitze erhalten würde, da das  komplizierte Wahlrecht mit seinen Überhang- und Ausgleichsmandaten die stärkste Partei bevorzugt.

Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis steht aber nun fest, dass die Südwest-CDU zum ersten Mal seit fast 58 Jahren in die Opposition muss. Seit 1953 hatte sie ununterbrochen den Ministerpräsidenten im Land gestellt. Dieses Amt wird nun von Winfried Kretschmann, dem Spitzenkandidaten der Grünen, übernommen werden. Die SPD mit ihrem Spitzenkandidaten Nils Schmid wird in der Koalition – auch das ist eine Premiere – Juniorpartner der Grünen sein.

Bei der letzten Landtagswahl vor fünf Jahren hatte die CDU noch 44,2 Prozent der Stimmen erreicht. Die SPD kam damals auf 25,2 Prozent, die Grünen auf 11,7 und die FDP auf 10,7 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 53,4 Prozent. Es war der niedrigste Wert, der jemals bei Landtagswahlen in Baden-Württemberg erreicht wurde.

Im Vergleich dazu lag die Wahlbeteiligung dieses Mal mit 65,7 Prozent deutlich höher. Der Streit um die Zukunft der Atomenergie und das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 mobilisierte offensichtlich zusätzliche Wähler. Teilweise war der Andrang in den Wahllokalen so groß, dass es zu Wartezeiten kam. Zudem nutzten mehr Menschen als früher die Möglichkeit der Briefwahl.

Am späten Abend kam es am Stuttgarter Hauptbahnhof zu Ausschreitungen. Mehrere hundert Gegner des Milliardenprojekts Stuttgart 21 randalierten. Sie rissen einen Bauzaun nieder, skandierten "Mappus ist weg, der Zaun muss weg. Baustopp jetzt" und zündeten Feuerwerkskörper. Eine Blaskapelle spielte "Freude schöner Götterfunken".