Rund zwei Millionen Sachsen-Anhaltiner sind seit Sonntagmorgen aufgerufen, einen neuen Landtag zu wählen. Der Start der Abstimmung verlief nach Angaben von Landeswahlleiter Klaus Klang um 8 Uhr reibungslos. Ihm seien keinerlei Pannen bekannt.

Bereits jetzt zeichnet sich eine bessere Wahlbeteiligung ab als noch 2006. Bis 12 Uhr gaben nach Angaben des Landeswahlleiters 19,8 Prozent der Berechtigten ihre Stimme ab. Vor fünf Jahren waren es zum gleichen Zeitpunkt nur 12,5 Prozent gewesen. Damals lag die Wahlbeteiligung am Ende mit insgesamt 44,4 Prozent so niedrig wie bei keiner Landtagswahl in Deutschland zuvor.

Derzeit regiert in Sachsen-Anhalt eine Koalition von CDU und SPD. Laut letzten Umfragen könnte sie ihre Arbeit problemlos fortsetzen. Die SPD liebäugelt aber auch mit der Linkspartei als Bündnispartner, sollte sie selbst das Kopf-an-Kopf-Rennen um Platz zwei gewinnen. Die Wahllokale haben bis 18 Uhr geöffnet. 

In Magdeburg seien rund ein Viertel mehr Stimmen per Briefwahl abgegeben worden, sagte der dortige Wahlleiter Holger Platz. Aber auch in den Wahllokalen habe sich nach seinem Eindruck am Morgen eine etwas bessere Wahlbeteiligung abgezeichnet als 2006. In der Landeshauptstadt stimmten die Bürger zusätzlich zur Landtagswahl auch über den Wiederaufbau einer zu DDR-Zeiten gesprengten Kirche ab. Eine erste Stichprobe zur Wahlbeteiligung gibt es um 12 Uhr.

In den Umfragen lag die CDU zuletzt mit 32 Prozent unangefochten vorn. Bei der Wahl 2006 erreichte sie 36,2 Prozent. Linke (2006: 24,1) und SPD (2006: 21,4) würden laut Umfragen jeweils auf 24 Prozent kommen. SPD-Spitzenkandidat Jens Bullerjahn vermied im Wahlkampf eine Koalitionsaussage. Die Grünen (2006: 3,6) könnten es diesmal ins Parlament schaffen. Die FDP (2006: 6,7) lag zuletzt bei 5 Prozent. Unklar ist, ob die rechtsextreme NPD den Einzug in das Parlament schafft.

Klar ist bisher nur, dass Sachsen-Anhalt künftig von einem neuen Ministerpräsidenten regiert wird. Denn der 75-jährige Wolfgang Böhmer tritt nicht wieder an. In seine Fußstapfen will für die CDU Wirtschaftsminister Reiner Haseloff treten. Er zeigte sich bei der Stimmabgabe in Wittenberg optimistisch, Nachfolger des scheidenden Ministerpräsidenten Böhmer zu werden.

Böhmer ging am Samstagvormittag in seiner Heimatstadt Wittenberg zusammen mit seiner Frau Brigitte Klein zur Wahl. Gut gelaunt witzelte er in seinem Wahllokal in einem Arbeitsamt über den bevorstehenden Ruhestand. Der 75-Jährige tritt aus Altersgründen nicht erneut an. Böhmer ist seit Mai 2002 Ministerpräsident. Er betonte, dass die Wahlbeteiligung besonders wichtig sei.

FDP-Spitzenkandidat Veit Wolpert kam gemeinsam mit seiner Familie an die Wahlurne im Ortsteil Rösa der Gemeinde Muldestausee. Grünen-Spitzenkandidatin Claudia Dalbert gab ihre Stimme in Halle ab. Sie lasse sich heute überraschen, sagte Dalbert. Die Grünen sind seit 1998 nicht mehr im Landtag vertreten und haben laut Umfragen Chancen, wieder in das Parlament einzuziehen.

Der Spitzenkandidat der Linken, Wulf Gallert, ging in Magdeburg bei strahlendem Sonnenschein zur Landtagswahl. Der 47-jährige studierte Lehrer aus Havelberg gehört seit 1994 dem Landtag an, er ist Vorsitzender seiner Fraktion.