Überall in der Linken-Geschäftsstelle in Mainz stehen dunkelrote Wahlplakate. Besucher und Mitarbeiter können kaum durch den Raum gehen. "Die wollen wir erst nach und nach aufhängen", sagt Elke Theisinger-Hinkel. "Vieles wird ja gleich wieder abgerissen." Die Linken-Frau aus Kaiserslautern ist Landesvorsitzende und Wahlkampfleiterin in Personalunion. Am Sonntag will sie mit ihrer Partei erstmals in den rheinland-pfälzischen Landtag einziehen.

Doch ob die Linken das wirklich schaffen, bezweifeln selbst engagierte Anhänger. In jedem Fall wird es knapp: In den letzten Umfragen lag die Partei bei vier Prozent der Wählerstimmen. Das größte Problem für die rheinland-pfälzischen Linken ist, dass sie im Land vor allem wegen ihres erbitterten innerparteilichen Streits bekannt sind. Im vergangenen Sommer zankten die Genossen sich so sehr um die Aufstellung ihrer Kandidatenliste für die Wahl am Sonntag, dass der Landesvorsitzende und Bundestagsabgeordnete Alexander Ulrich zurücktrat. Es gebe "große Schwierigkeiten im solidarischen Zusammenhalt" der Partei, schimpfte er damals.

Kurz zuvor waren auch zwei Stadtratsfraktionen der Linken in Ludwigshafen und Trier zerbrochen. Bereits 2008 hatten sich die Genossen auf dem Linken-Landesparteitag gegenseitig angebrüllt.

Theisinger-Hinkel, damals wie heute Mitarbeiterin von Ulrich, spricht inzwischen von "persönlichen Animositäten", die aber jetzt abgelegt worden seien. "Unsere Großplakate zur Landtagswahl zeigen uns als Team, und tatsächlich treten wir als Partei gemeinsam an", sagt Wahlkampfleiterin bei einem Treffen in einem alternativen Studentencafé in Mainz. Doch hinter vorgehaltener Hand sprechen andere offen: "Wenn wir überhaupt in den Landtag kommen, dann sicher nicht aus eigener Kraft", sagt einer, der sich in der Partei auskennt. Nur auf die Protestwähler könne die Linke noch hoffen.

Denn alle rheinland-pfälzischen Politiker wissen: Zwischen Zweibrücken und Ahrweiler wird Wert auf einen moderierenden Politikstil gelegt, Streitereien werden von den allermeisten Bürgern bei Wahlen nicht quittiert.

Das zweite Problem der Linken ist, dass ihre Forderungen oft von der SPD abgedeckt werden. Auch der Ministerpräsident und Sozialpolitiker Kurt Beck (SPD) fordert einen Mindestlohn und spricht in seinen Reden oft die kleinen Arbeiter im Land an. Zuletzt konnte er sich außerdem bei einem Hauptthema der Linken – Hartz IV – als Politiker mit sozialem Gewissen profilieren.

Wahlkampfleiterin Theisinger-Hinkel streitet diesen Aspekt nicht ab. Doch es sei wichtig, dass die Linke im Landtag "Kurt Beck von links auf die Finger guckt". Der Ministerpräsident habe während seiner Regierungszeit einfach zu viele Skandale verzapft. Wenige Tage vor der Wahl ist das Motto der Linken-Wahlkampfkampagne entsprechend: "Wer passt auf Kurt Beck auf?"

Das größte Wählerpotenzial der Linken in Rheinland-Pfalz liegt in der Westpfalz: Bei der Bundestagswahl 2009 erreichte die Partei in Pirmasens 13 Prozent der Stimmen. Rund um das ehemalige Schuhindustrie-Zentrum und Kaiserslautern ist die Arbeitslosigkeit mit 11 bis 14 Prozent doppelt so hoch wie im rheinland-pfälzischen Durchschnitt. "Die Leute haben hier so viel Angst vor Hartz IV, dass sie sich nicht trauen, bei ihrem Arbeitgeber ihre Rechte einzufordern", sagt Theisinger-Hinkel.