NPD-Spitzenkandidat Matthias Heyder soll nach Recherchen von tagesschau.de in einem Internetforum Hinweise zum Bombenbau gegeben haben. "20 Koffer, 20 Mann, 20 Bahnhöfe. Bundesrepublik lahmgelegt. Alles legal. Kosten unter 1000,-€. Wo ist das Problem?", soll Heyder unter dem Pseudonym Junker Jörg rhetorisch gefragt haben. In einem Unterforum, so die Nachrichtenseite, habe er in sieben Schritten präzise die Herstellung von Sprengstoff beschrieben.

In wenigen Tagen finden in Sachsen-Anhalt Landtagswahlen statt. Nach Umfragen könnte die NPD derzeit mit etwa fünf Prozent der Stimmen und einem Einzug ins Parlament rechnen. Es wäre nach Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern der dritte Landtag, in dem die Partei vertreten wäre. 

Tagesschau.de hat keinen Zweifel daran, dass hinter Junker Jörg deren Spitzenkandidat Heyder steckt. Anders sei dessen Detailwissen über die NPD-Führung nicht zu erklären. Zudem habe der Autor Beiträge gepostet, die auf Heyders Server lagen. Junker Jörg habe auch detailliert Wahlkampfstrategien für Sachsen-Anhalt diskutiert. 

Der User rief in dem Forum auch dazu auf, Frauen der Linkspartei "zu schänden". Konkret habe sich die Aufforderung auf eine namentlich genannte sächsische Landtagsabgeordnete bezogen, deren Website in dem Forum verlinkt wurde. Die betreffenden Beiträge waren wenige Stunden nach einer Anfrage von tagesschau.de von der Seite entfernt.

Heyder kommentierte die Anschuldigungen gegenüber tagesschau.de mit den Worten, er bezweifle, je in diesem Forum etwas geschrieben zu haben. Allerdings drohte er mit rechtlichen Konsequenzen wegen "Datendiebstahls", da es unzulässig sei, aus dem geschlossenen Forum zu zitieren.

Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Hövelmann (SPD) sagte, wenn sich die Anschuldigungen bewahrheiten sollten, "wäre das eine neue Qualität". Mit den Hinweisen zum Bombenbau werde "die Grenze der Legalität überschritten". Hövelmann gilt als Verfechter eines neuen NPD-Verbotsverfahrens.