Für die NPD werden die Landtagswahlen 2011 existenziell. Bleibt die Partei im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern und gewinnt außerdem noch fünf Prozent bei der Wahl in Sachsen-Anhalt diesen Sonntag, ist sie im Osten eine feste Größe. Dann gewinnt sie wertvolle parlamentarische Erfahrung, viel staatliche Unterstützung und eine neue Bühne. Verliert sie beide Parlamente, wäre sie nur noch im sächsischen Landtag vertreten – und der Marginalisierung nahe.

Die Partei hat in Sachsen-Anhalt eine Materialschlacht begonnen. Alle verfügbaren Kräfte aus den Landesvorständen wurden für diese Schwerpunktwahl ins Land beordert. Holger Apfel, Fraktionschef im sächsischen Landtag und Vater der sächsischen Landtagseinzüge von 2004 und 2009, hat die Koordination übernommen. Zunächst mal mit optischem Erfolg. In manchen Orten kommt auf zehn Plakate der NPD eins der demokratischen Parteien.

Umfragen zeigen , dass die Rechtsextremen Chancen haben, ins Magdeburger Parlament einzuziehen. Bei fünf Prozent liegt die NPD, vor zwei Monaten waren es noch drei. Obgleich viele Wähler mit der Arbeit der Landesregierung unter dem brummigen, populären Wolfgang Böhmer zufrieden sind, gibt in diesem zerrissenen Land Wählerpotenzial: 12,9 Prozent wählten 1998 die DVU in den Landtag.

Spitzenkandidat Matthias Heyder hat die Partei auf den "sächsischen Weg" Holger Apfels gebracht. Sie versucht sich als biedere, sozial verantwortliche Heimatpartei, die harten Ausländer-raus-Themen treten in den Hintergrund. Auf den Wahlplakaten in den Dörfern sieht man sorgende Mütter und glückliche Kinder; die NPD fordert, was populär ist im armen Sachsen-Anhalt : Rentenerhöhungen, Mittelstandsförderung, kostenlose Kita-Plätze. Zwar hängen dort auch Plakate mit Handschellen und der Forderung "Kriminelle Ausländer raus", doch das war wohl ein Versehen. "Die sollten eigentlich eher in den drei großen Städten hängen", sagt Heyder. Er selbst tritt als optimistischer, volkstümlicher Sohnemann auf.

Auf der Landesliste hat Heyder eine Mischung aus völkisch-skurrilen Figuren und harten Kadern platziert. Da ist Lutz Battke , der Fußballtrainer mit Vokuhila-Frisur und Hitlerbärtchen, der wegen seines NPD-Engagements als Fußballtrainer des BSC 99 Laucha entlassen wurde. Oder Hans Püschel, Bürgermeister von Krauschwitz, der publikumswirksam von der SPD überlief. Sich sogar anbiederte, wie jetzt herauskam.

Ein anderes Kaliber ist Matthias Gärtner, der Bundesschulungsleiter der NPD-Jugendorganisation JN. Die taz veröffentlichte kürzlich Tausende NPD-interne Mails , die die Partei als möglicherweise manipuliert bezeichnete. Eine der Botschaften ist von Gärtner, der sich über die Gestaltung eines Werbemediums auslässt: "Immer schön arisieren die Karte. Sonst wirds wirklich unglaubwürdig, wenn wir für Negerkinder belegte Borte fordern." [sic!] Parteiprominent ist auch JN-Chef Michael Schäfer, der in seiner Rede beim Bundesparteitag 2009 Beifallsstürme einheimste, als er sich brüstete, mit der Jugendorganisation linke Bastionen wie etwa Universitäten zu "knacken".

In vielen Ländern Europas gelingen ausländerfeindlichen oder islamophoben Parteien Stimmengewinne. In Deutschland schaffte es noch keine rechtspopulistische oder -extreme Partei, aus diesem Wählermilieu im großen Stil zu schöpfen. Obwohl die NPD sich sogar als "Sarrazin-Partei" bezeichnete und mit seinem Konterfei warb, blieb sie für Anhänger des Ex-Bundesbankers weitgehend tabu.