El Mundo, Madrid:Merkel betreibt Panikmache

"Die Situation in Japan ist beunruhigend. Aber der Begriff Apokalypse - im Sinne eines Endes der menschlichen Zivilisation - ist nicht angebracht. Man darf die Gefahren der Kernenergie nicht verschweigen, aber man sollte sich auch vor Übertreibungen und Vergleichen mit Kinofilmen hüten.

Das Erdbeben und der Tsunami haben Tausende Menschen das Leben gekostet. Die radioaktive Strahlung dagegen hat bisher noch kein Menschenleben gefordert. Die Verantwortlichen in der EU sollten die Fassung bewahren. Zum Glück reagierten die Verantwortlichen in Spanien mit Gelassenheit. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel dagegen betreibt Panikmache."

Information, Kopenhagen: Merkels Kehrtwende zeigt Dilemma auf

"Die wenigsten Experten zweifeln daran, dass die erneuten Sicherheitsuntersuchungen deutscher Atomkraftwerke genau das zeigen werden, was man schon weiß: Dass die Mehrzahl der verschlissenen Atomkraftwerke unzureichend gegen Strahlungsaustritt etwa bei einem Flugzeugabsturz gesichert ist.

Die neuen Töne von Kanzlerin Angela Merkel, die nicht länger die permanente Abschaltung der ältesten deutschen Kraftwerke ausschließen will, ist eine komplette politische Kehrtwende mit angezogener Handbremse. (...) Diese Kehrtwende zeigt das Dilemma im Spannungsfeld zwischen Entscheidungen aus politischen Interessen und solchen zur verantwortungsbewussten Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse. Das ist kein ausschließlich deutsches Dilemma."

Neue Zürcher Zeitung: Merkels Peinlichkeit  

"Merkel begründete ihr Vorgehen mit dem Hinweis, bei den Vorgängen in Japan handle es sich um eine Zäsur in der Geschichte der technisierten Welt. Unabhängig von Wahlen gehe es hier um Verantwortung in einer Situation, die es so noch nie gegeben habe. Die Opposition spottete sofort über diese Rechtfertigung, mit gutem Recht, denn natürlich zielt der Aktivismus, den das offizielle Berlin nun produziert, ganz auf die Beruhigung der Gemüter vor den Landtagswahlen. Und ebenso natürlich ist die hastige Frontbegradigung eine Peinlichkeit ersten Ranges, denn bisher galten die nun abzuschaltenden AKW als sicher, so sicher, dass sie sogar mit einer Verlängerung ihrer Laufzeit bedacht worden waren."

Rzeczpospolita, Warschau: Wird der Tsunami Merkels Regierung wegfegen?

"Keine Regierung in Europa analysiert die Informationen aus Japan so genau wie das Kabinett von Angela Merkel. 9000 Kilometer, die Berlin von den japanischen Reaktoren trennen, schützen die Deutschen vor der radioaktiven Strahlung, sind aber kein Garant für politische Sicherheit der schwarz-gelben Koalition. Die Kanzlerin, Physikerin vom Beruf und Politikerin aus Neigung, weiß das. In nächster Zukunft finden in drei Bundesländern Landtagswahlen statt. Die CDU kämpft ums Überleben, vor allem in Baden-Württemberg, wo sie erstmals seit 57 Jahren die Macht verlieren kann. Die Niederlage der CDU kann den Anfang vom Ende der Koalition CDU/CSU und FDP bedeuten. Auf dem Spiel steht das Schicksal der Kanzlerin."