Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) will die deutschen Atommeiler so bald wie möglich abschalten. "Wenn's nach mir ginge, müssten wir schneller als beschlossen aus der Kernenergie aussteigen", sagte der CDU-Vize dem Magazin Stern. "Für die älteren Werke gäbe es keine Laufzeitverlängerung. Über die neuen muss man reden." Er rechnet aber noch mit einer weiteren Nutzung von bis zu eineinhalb Jahrzehnten. "Weil wir morgen nicht aussteigen können und sicher noch 10 bis 15 Jahre Kernenergie haben werden, muss zwingend alles in die Sicherheit investiert werden, aber auch alles."

Die Bundesregierung hatte am Dienstag mit den Ländern mit Atomstandorten beschlossen, die sieben ältesten Meiler sowie das unsichere Atomkraftwerk Krümmel für ein Vierteljahr vom Netz zu nehmen. 

Der CDU-Politiker riet den Energiekonzernen zur Zusammenarbeit. "Laufzeiten regelt der Gesetzgeber. Wir haben ein Gesetz beschlossen. Gesetze sind änderbar", sagte Röttgen. "Fürs Geldverdienen braucht man in einer demokratischen Gesellschaft Akzeptanz. Wer mit Kernenergie auch in Zukunft Geld verdienen möchte, muss diese Akzeptanz gewinnen. Wir arbeiten gerade an dieser Akzeptanz."

Eine Ministeriumssprecherin bezeichnete Röttgens Äußerungen inzwischen als "politische Vorstellung". Sie sei "keine Festlegung für die Gespräche, die jetzt noch zu erfolgen haben." Regierungssprecher Steffen Seibert sprach von einer "Meinungsäußerung des Bundesumweltministers".

Auch Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU) sprach sich für ein Ende der Atomenergie aus – ohne allerdings einen konkreten Zeitpunkt zu nennen. "Die Beherrschbarkeit der Kernenergie ist durch die Entwicklung in Japan nachhaltig infrage gestellt worden", sagte der CDU-Politiker in einer Regierungserklärung. "Die Kernenergie hat jetzt erst recht keine wirkliche Zukunft mehr. Der geordnete und planvolle Ausstieg bleibt richtig."

Bei jedem einzelnen Kraftwerk müsse nun ein individueller Sicherheitscheck erfolgen. Als Konsequenz aus der Reaktorkatastrophe in Japan ist das AKW Unterweser als eines von sieben in Deutschland für die nächsten drei Monate abgeschaltet.

McAllister forderte, AKW müssten abgeschaltet werden, wenn eine Sicherheitsnachrüstung zu teuer sei. Auch die Wirksamkeit von Konzepten zur Abwehr von Terrorangriffen müsse geprüft werden. "Das Ziel der zusätzlichen Überprüfungen muss sein, dass in jedem Einzelfall die Möglichkeit einer Kernschmelze ausgeschlossen werden kann oder eben abgeschaltet werden muss." Klar sei aber auch, dass die deutschen Nachbarländer mitziehen müssten und dass es nicht sinnvoll sei, Versorgungslücken mit Atomstrom aus Nachbarländern zu schließen.